Ernährung

Was Katzen wirklich fressen sollten


Was Katzen wirklich fressen sollten

"Katzen würden Mäuse kaufen" – das ist der Titel eines bekannten Katzenernährungs-Buchs, und er trifft den Punkt: Ja, eine Katze wäre mit einer Maus am Tag bestens versorgt.

Aber unsere Hauskatzen jagen nun einmal keine Mäuse mehr. Sie stehen vor einem gefüllten Napf, und wir müssen entscheiden, was dort landet. Das ist eine große Verantwortung – und gleichzeitig eine unnötig schwere Aufgabe, weil die Futterindustrie die Orientierung so schwer macht wie irgend möglich.

In diesem Artikel klären wir die Grundfrage: Was brauchen Katzen wirklich, und wie erkennst Du ein Futter, das dieser Anforderung gerecht wird?


Die Katze ist ein reiner Fleischfresser – und das meint sie ernst

Unsere heutige Hauskatze stammt von der afrikanischen Falbkatze ab, und ihr Verdauungssystem hat sich in Jahrtausenden der Haustierhaltung kaum verändert. Was Wildkatzen früher jagten – Mäuse, Ratten, gelegentlich Kaninchen, Vögel, Reptilien, Fisch und Insekten –, das ist immer noch das Vorbild für eine artgerechte Ernährung.

Du erkennst das sogar am Gebiss: Kein einziger Zahn der Katze ist zum Kauen oder Zermahlen geeignet. Alle Zähne sind zum Packen und Zerreißen gemacht. Das ist Biologie, die sich nicht einfach wegerklären lässt – auch nicht durch noch so freundliche Werbung für "vitalisiertes Getreide" im Katzenfutter.

Was das konkret heißt

Eine Katze braucht:

  • Viel tierisches Protein – mehr als fast jedes andere Säugetier
  • Bestimmte Aminosäuren, die nur in tierischem Gewebe vorkommen (Taurin, Arginin, Methionin)
  • Fett als Hauptenergiequelle
  • Sehr wenig pflanzliches Material – anders als beim Hund
  • Viel Wasser über die Nahrung, weil Katzen von Natur aus wenig trinken

Eine Katze kann also theoretisch eine Weile mit ungeeignetem Futter überleben. Aber optimal versorgt ist sie dabei nicht – und das zeigt sich oft erst nach Jahren in Form von Niereninsuffizienz, Übergewicht oder chronischen Verdauungsproblemen.


Die Maus als Maßstab

Wenn wir wissen wollen, wie Katzenfutter optimal zusammengesetzt sein sollte, lohnt sich der Blick auf das natürliche Beutetier. Eine Maus besteht zu etwa 65 % aus Wasser. Der verbleibende Trockenanteil teilt sich wie folgt auf:

Nährstoff Anteil am Trockenanteil
Protein 50–60 %
Fett 20–30 %
Mineralstoffe 6–8 %
Kohlenhydrate 3–8 %

Das ist die evolutionäre Zielzusammensetzung, auf die der Verdauungstrakt einer Katze ausgerichtet ist. Jedes Futter, das diesen Werten nah kommt, liegt ernährungsphysiologisch richtig. Jede deutliche Abweichung – besonders nach unten beim Protein oder nach oben bei den Kohlenhydraten – ist ein Hinweis auf ein unpassendes Produkt.

Eine wichtige Ergänzung: Die Werte beziehen sich auf den Trockenanteil. Bei einem Nassfutter mit 70–80 % Feuchtigkeit sieht die Zusammensetzung in der Originalsubstanz deshalb anders aus: Rund 10–12 % Protein und 5–8 % Fett sind dann ideal. Diese Umrechnung ist wichtig, damit Du Etiketten richtig lesen kannst.


Warum Wasser so ein großes Thema ist

Katzen haben in ihrer evolutionären Entwicklung wenig Wasser aus Oberflächenquellen getrunken. Ihre Vorfahren lebten in trockenen Gebieten und deckten ihren Flüssigkeitsbedarf fast vollständig über die Beute. Eine Maus enthält etwa 67–82 % Wasser – damit ist die Katze hydriert, ohne extra trinken zu müssen.

Das hat bis heute eine wichtige Konsequenz: Katzen sind von Natur aus schlechte Trinker. Sie spüren den Durst erst spät und erreichen oft nicht die Flüssigkeitsmenge, die sie eigentlich brauchen würden.

Bei reiner Trockenfütterung ist das ein echtes Problem. Trockenfutter hat einen Wassergehalt von gerade einmal 8–10 %. Im Vergleich zur Beute (oder einem Nassfutter mit über 75 % Wassergehalt) fehlen hier erhebliche Mengen Flüssigkeit. Dass viele Katzen trotz freier Wasserversorgung dauerhaft unterhydrierit sind, ist einer der Gründe, warum Nierenerkrankungen im Katzen-Senioren-Alter so häufig auftreten.

Das heißt nicht automatisch, dass Trockenfutter böse ist. Es heißt aber: Trockenfutter alleine ist selten die beste Wahl. Mehr dazu liest Du im Artikel "[Nassfutter oder Trockenfutter – was ist besser?]".


Was Katzen NICHT gut vertragen

Einige Lebensmittel, die wir Menschen problemlos essen, sind für Katzen schwer verdaulich, nutzlos oder sogar gefährlich:

Hoher Getreideanteil: Reis, Weizen, Mais. Gehört in der Natur nicht zum Speiseplan einer Katze. Wird von vielen Herstellern als günstiger Füllstoff verwendet und kann bei sensiblen Katzen zu Verdauungsproblemen führen.

Zucker in jeder Form: Wird in manchen Futtern versteckt zugesetzt – als Karamell, Rübenmelasse, Apfelextrakt oder Inulin. Katzen können Zucker nicht einmal schmecken und haben keinen physiologischen Bedarf. Zucker im Futter ist ausschließlich ein Zeichen für Hersteller-Interessen, nicht für Katzenwohl.

Milch und Milchprodukte: Erwachsene Katzen sind in der Regel laktoseintolerant. Die in Filmen gezeigte Schale Milch ist ein Märchen, das in der Realität Durchfall verursacht.

Rohes Schweinefleisch: Enthält möglicherweise das Aujeszky-Virus, das für Katzen innerhalb weniger Stunden tödlich verläuft. Eine einzige Berührung mit infiziertem Fleisch kann reichen. Gekochtes Schwein ist hingegen unbedenklich.

Bestimmte Lebensmittel generell tabu: Schokolade, Zwiebeln, Knoblauch, Weintrauben und Rosinen, rohe Kartoffeln, Avocado. Diese Liste ist nicht vollständig – im Zweifel lieber nichts vom Menschenteller geben.


Wie Du ein gutes Katzenfutter erkennst

Kommen wir zum praktischen Teil: Woran erkennst Du im Supermarkt- oder Fachhandels-Regal, ob ein Futter hält, was es verspricht?

Check 1: Die Zutatenliste

Die Zutatenliste (offiziell "Zusammensetzung") zeigt Dir in absteigender Reihenfolge, was drin ist. Das heißt: Was an erster Stelle steht, ist mengenmäßig am stärksten enthalten.

Ein gutes Zeichen: An erster Stelle steht echtes, benanntes Fleisch mit einer Prozentangabe. Zum Beispiel: "Huhn 64 %".

Ein Warnzeichen: An erster Stelle steht "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ohne Angabe, welches Tier und welche Teile. Diese sogenannte geschlossene Deklaration ist legal, aber sie lässt Dich komplett im Dunkeln. Der Hersteller kann die Zusammensetzung zwischen den Chargen variieren – Du weißt nie genau, was Deine Katze bekommt.

Check 2: Der echte Fleischanteil

Der Gesamt-Fleischanteil sollte möglichst hoch sein – bei einem guten Nassfutter liegt er zwischen 70 und über 95 %. Lass Dich nicht von Werbeformulierungen wie "mit Huhn" täuschen: Das bedeutet nach der EU-Futtermittelkennzeichnung lediglich, dass mindestens 4 % Huhn enthalten sein müssen. Vier Prozent. Das ist der absolute Minimalwert, ab dem ein Hersteller ein Tier auf der Dose abbilden darf.

Die Staffelung nach EU-Recht:

Aufschrift Mindestgehalt der genannten Zutat
"Mit Huhn" 4 %
"Reich an Huhn" 14 %
"Huhn-Menü" 26 %
"100 % Huhn" 100 %

Das ist eine der wichtigsten Informationen, die viele Katzenhalter nicht kennen. Ein beiläufiges "mit Huhn" auf der Dose ist in Wahrheit fast nichts.

Check 3: Die Analytischen Bestandteile

Auf jeder Futterdose stehen die sogenannten Analytischen Bestandteile. Das sind die Nährwertangaben, die Du mit dem Maus-Vergleich abgleichen kannst.

Bei einem guten Nassfutter erwartest Du ungefähr:

  • Rohprotein: 10–12 %
  • Rohfett: 5–8 %
  • Rohasche: 1,5–2,5 %
  • Rohfaser: unter 1 %
  • Feuchtigkeit: 70–82 %

Liegt ein Wert deutlich daneben – besonders bei Protein oder Feuchtigkeit –, solltest Du genauer hinschauen.

Check 4: Die Zusatzstoffe

Ein gutes Futter braucht wenige Zusatzstoffe. Unverzichtbar sind:

  • Taurin – eine essenzielle Aminosäure, die Katzen nicht selbst bilden können
  • Vitamine und Mineralstoffe in ausgewogener Dosierung

Problematisch sind dagegen:

  • Künstliche Aromen und Geschmacksverstärker
  • Konservierungsstoffe wie BHA, BHT oder Ethoxyquin
  • Farbstoffe
  • Hohe Zuckerzusätze

Ein Futter mit der Aufschrift "enthält keine künstlichen Zusatzstoffe" ist daher in der Regel vorzuziehen – solange die Aussage wirklich stimmt.


Die ideale Fütterung im Alltag

Wie oft und wie viel? Hier ein Überblick:

Häufigkeit

Eine Wildkatze frisst in freier Natur etwa zehnmal pro Tag kleine Portionen. Der Katzenmagen ist auf viele kleine Mahlzeiten ausgelegt, nicht auf große Hauptmahlzeiten. Für Hauskatzen heißt das:

  • Mindestens zwei Nassfutter-Mahlzeiten täglich sind Pflicht
  • Zusätzliche kleine Trockenfutter-Portionen über den Tag verteilt sind okay, wenn die Katze nicht zu Übergewicht neigt
  • Bei übergewichtigen Katzen: zwei bis drei feste Mahlzeiten und zwischendurch nichts

Menge

Die Menge hängt vom Gewicht, Alter und Aktivitätsniveau ab. Faustregel für eine erwachsene, normalgewichtige Hauskatze:

  • Pro Kilogramm Körpergewicht etwa 40–50 Gramm Nassfutter täglich

Für eine 4-kg-Katze sind das 160–200 Gramm pro Tag. Die Herstellerangaben auf den Dosen sind oft zu hoch angesetzt – nimm sie als Obergrenze, nicht als Empfehlung.

Wir bauen gerade einen [Futtermengen-Rechner], mit dem Du die exakte Menge für Deine Katze berechnen kannst.

Trinken

Frisches Wasser sollte immer verfügbar sein, auch wenn Deine Katze nur selten trinkt. Tipps, wie Du die Wasseraufnahme förderst:

  • Mehrere Trinkstellen in der Wohnung aufstellen
  • Wasserschale nicht direkt neben den Futternapf stellen (Katzen mögen in freier Natur kein Wasser in direkter Nähe von Beute)
  • Trinkbrunnen testen – viele Katzen lieben sie
  • Nassfutter fördert ebenfalls die Flüssigkeitsaufnahme

Das Wichtigste auf einen Blick

Ein gutes Katzenfutter:

  • enthält viel echtes, benanntes Fleisch (idealerweise über 70 %)
  • hat eine offene Deklaration mit Prozentangaben
  • kommt der Maus-Zusammensetzung nahe (viel Protein, wenig Kohlenhydrate, hoher Wassergehalt)
  • verzichtet auf Zucker und künstliche Zusätze
  • enthält das unverzichtbare Taurin
  • kommt in regelmäßigen Mahlzeiten und mit viel frischem Wasser

Das klingt einfach. Die Realität im Supermarkt sieht anders aus – dort enthalten viele Futter genau diese Dinge eben nicht. Deshalb gibt es Katzenfutter.net. Damit Du nicht für jeden Einkauf zur Lupe greifen musst.


Wie geht es weiter?

Wenn Du tiefer einsteigen möchtest, empfehle ich Dir diese Artikel:

  • [Deklaration lesen lernen – Was wirklich im Katzenfutter steckt] – der nächste logische Schritt, um Dich durch jede Zutatenliste zu arbeiten
  • [Stiftung Warentest vs. ÖKO-TEST] – warum die großen Tests nur die halbe Wahrheit zeigen
  • [Futterumstellung – Wie Deine Katze behutsam auf besseres Futter umgestellt wird] – wenn Du jetzt weißt, dass Euer aktuelles Futter nicht das richtige ist
  • [Zu den Testberichten] – konkrete Marken-Empfehlungen nach meinem 8-Kriterien-System

Quellen und weiterführende Literatur

  • Zentek, J.: Ernährung des Hundes (Parey Verlag, aktuelle Auflage) – grundlegende Ernährungslehre, viele Passagen auf Katzen übertragbar
  • FEDIAF Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (2024) – europäischer Standard für Alleinfuttermittel
  • National Research Council: Nutrient Requirements of Dogs and Cats (2006) – internationaler Referenzwert
  • Dillitzer, N.: Tierärztliche Ernährungsberatung – praktische Grundlagen
  • Tierschutzbund e.V.: "Die Haltung von Katzen" – verständlicher Überblick für Einsteiger

Artikel-Stand: April 2026. Dieser Artikel wird bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.