Was Katzen wirklich fressen sollten


Was Katzen wirklich fressen sollten

"Katzen würden Mäuse kaufen" – das ist der Titel eines bekannten Katzenernährungs-Buchs, und er trifft den Punkt: Ja, eine Katze wäre mit einer Maus am Tag bestens versorgt.

Aber unsere Hauskatzen jagen nun einmal keine Mäuse mehr. Sie stehen vor einem gefüllten Napf, und wir müssen entscheiden, was dort landet. Das ist eine große Verantwortung – und gleichzeitig eine unnötig schwere Aufgabe, weil die Futterindustrie die Orientierung so schwer macht wie irgend möglich.

In diesem Artikel klären wir die Grundfrage: Was brauchen Katzen wirklich, und wie erkennst Du ein Futter, das dieser Anforderung gerecht wird?


Die Katze ist ein reiner Fleischfresser – und das meint sie ernst

Unsere heutige Hauskatze stammt von der afrikanischen Falbkatze ab, und ihr Verdauungssystem hat sich in Jahrtausenden der Haustierhaltung kaum verändert. Was Wildkatzen früher jagten – Mäuse, Ratten, gelegentlich Kaninchen, Vögel, Reptilien, Fisch und Insekten –, das ist immer noch das Vorbild für eine artgerechte Ernährung.

Du erkennst das sogar am Gebiss: Kein einziger Zahn der Katze ist zum Kauen oder Zermahlen geeignet. Alle Zähne sind zum Packen und Zerreißen gemacht. Das ist Biologie, die sich nicht einfach wegerklären lässt – auch nicht durch noch so freundliche Werbung für "vitalisiertes Getreide" im Katzenfutter.

Was das konkret heißt

Eine Katze braucht:

  • Viel tierisches Protein – mehr als fast jedes andere Säugetier
  • Bestimmte Aminosäuren, die nur in tierischem Gewebe vorkommen (Taurin, Arginin, Methionin)
  • Fett als Hauptenergiequelle
  • Sehr wenig pflanzliches Material – anders als beim Hund
  • Viel Wasser über die Nahrung, weil Katzen von Natur aus wenig trinken

Eine Katze kann also theoretisch eine Weile mit ungeeignetem Futter überleben. Aber optimal versorgt ist sie dabei nicht – und das zeigt sich oft erst nach Jahren in Form von Niereninsuffizienz, Übergewicht oder chronischen Verdauungsproblemen.


Die Maus als Maßstab

Wenn wir wissen wollen, wie Katzenfutter optimal zusammengesetzt sein sollte, lohnt sich der Blick auf das natürliche Beutetier. Eine Maus besteht zu etwa 65 % aus Wasser. Der verbleibende Trockenanteil teilt sich wie folgt auf:

Nährstoff Anteil am Trockenanteil
Protein 50–60 %
Fett 20–30 %
Mineralstoffe 6–8 %
Kohlenhydrate 3–8 %

Das ist die evolutionäre Zielzusammensetzung, auf die der Verdauungstrakt einer Katze ausgerichtet ist. Jedes Futter, das diesen Werten nah kommt, liegt ernährungsphysiologisch richtig. Jede deutliche Abweichung – besonders nach unten beim Protein oder nach oben bei den Kohlenhydraten – ist ein Hinweis auf ein unpassendes Produkt.

Eine wichtige Ergänzung: Die Werte beziehen sich auf den Trockenanteil. Bei einem Nassfutter mit 70–80 % Feuchtigkeit sieht die Zusammensetzung in der Originalsubstanz deshalb anders aus: Rund 10–12 % Protein und 5–8 % Fett sind dann ideal. Diese Umrechnung ist wichtig, damit Du Etiketten richtig lesen kannst.


Warum Wasser so ein großes Thema ist

Katzen haben in ihrer evolutionären Entwicklung wenig Wasser aus Oberflächenquellen getrunken. Ihre Vorfahren lebten in trockenen Gebieten und deckten ihren Flüssigkeitsbedarf fast vollständig über die Beute. Eine Maus enthält etwa 67–82 % Wasser – damit ist die Katze hydriert, ohne extra trinken zu müssen.

Das hat bis heute eine wichtige Konsequenz: Katzen sind von Natur aus schlechte Trinker. Sie spüren den Durst erst spät und erreichen oft nicht die Flüssigkeitsmenge, die sie eigentlich brauchen würden.

Bei reiner Trockenfütterung ist das ein echtes Problem. Trockenfutter hat einen Wassergehalt von gerade einmal 8–10 %. Im Vergleich zur Beute (oder einem Nassfutter mit über 75 % Wassergehalt) fehlen hier erhebliche Mengen Flüssigkeit. Dass viele Katzen trotz freier Wasserversorgung dauerhaft unterhydrierit sind, ist einer der Gründe, warum Nierenerkrankungen im Katzen-Senioren-Alter so häufig auftreten.

Das heißt nicht automatisch, dass Trockenfutter böse ist. Es heißt aber: Trockenfutter alleine ist selten die beste Wahl. Mehr dazu liest Du im Artikel "[Nassfutter oder Trockenfutter – was ist besser?]".


Was Katzen NICHT gut vertragen

Einige Lebensmittel, die wir Menschen problemlos essen, sind für Katzen schwer verdaulich, nutzlos oder sogar gefährlich:

Hoher Getreideanteil: Reis, Weizen, Mais. Gehört in der Natur nicht zum Speiseplan einer Katze. Wird von vielen Herstellern als günstiger Füllstoff verwendet und kann bei sensiblen Katzen zu Verdauungsproblemen führen.

Zucker in jeder Form: Wird in manchen Futtern versteckt zugesetzt – als Karamell, Rübenmelasse, Apfelextrakt oder Inulin. Katzen können Zucker nicht einmal schmecken und haben keinen physiologischen Bedarf. Zucker im Futter ist ausschließlich ein Zeichen für Hersteller-Interessen, nicht für Katzenwohl.

Milch und Milchprodukte: Erwachsene Katzen sind in der Regel laktoseintolerant. Die in Filmen gezeigte Schale Milch ist ein Märchen, das in der Realität Durchfall verursacht.

Rohes Schweinefleisch: Enthält möglicherweise das Aujeszky-Virus, das für Katzen innerhalb weniger Stunden tödlich verläuft. Eine einzige Berührung mit infiziertem Fleisch kann reichen. Gekochtes Schwein ist hingegen unbedenklich.

Bestimmte Lebensmittel generell tabu: Schokolade, Zwiebeln, Knoblauch, Weintrauben und Rosinen, rohe Kartoffeln, Avocado. Diese Liste ist nicht vollständig – im Zweifel lieber nichts vom Menschenteller geben.


Wie Du ein gutes Katzenfutter erkennst

Kommen wir zum praktischen Teil: Woran erkennst Du im Supermarkt- oder Fachhandels-Regal, ob ein Futter hält, was es verspricht?

Check 1: Die Zutatenliste

Die Zutatenliste (offiziell "Zusammensetzung") zeigt Dir in absteigender Reihenfolge, was drin ist. Das heißt: Was an erster Stelle steht, ist mengenmäßig am stärksten enthalten.

Ein gutes Zeichen: An erster Stelle steht echtes, benanntes Fleisch mit einer Prozentangabe. Zum Beispiel: "Huhn 64 %".

Ein Warnzeichen: An erster Stelle steht "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ohne Angabe, welches Tier und welche Teile. Diese sogenannte geschlossene Deklaration ist legal, aber sie lässt Dich komplett im Dunkeln. Der Hersteller kann die Zusammensetzung zwischen den Chargen variieren – Du weißt nie genau, was Deine Katze bekommt.

Check 2: Der echte Fleischanteil

Der Gesamt-Fleischanteil sollte möglichst hoch sein – bei einem guten Nassfutter liegt er zwischen 70 und über 95 %. Lass Dich nicht von Werbeformulierungen wie "mit Huhn" täuschen: Das bedeutet nach der EU-Futtermittelkennzeichnung lediglich, dass mindestens 4 % Huhn enthalten sein müssen. Vier Prozent. Das ist der absolute Minimalwert, ab dem ein Hersteller ein Tier auf der Dose abbilden darf.

Die Staffelung nach EU-Recht:

Aufschrift Mindestgehalt der genannten Zutat
"Mit Huhn" 4 %
"Reich an Huhn" 14 %
"Huhn-Menü" 26 %
"100 % Huhn" 100 %

Das ist eine der wichtigsten Informationen, die viele Katzenhalter nicht kennen. Ein beiläufiges "mit Huhn" auf der Dose ist in Wahrheit fast nichts.

Check 3: Die Analytischen Bestandteile

Auf jeder Futterdose stehen die sogenannten Analytischen Bestandteile. Das sind die Nährwertangaben, die Du mit dem Maus-Vergleich abgleichen kannst.

Bei einem guten Nassfutter erwartest Du ungefähr:

  • Rohprotein: 10–12 %
  • Rohfett: 5–8 %
  • Rohasche: 1,5–2,5 %
  • Rohfaser: unter 1 %
  • Feuchtigkeit: 70–82 %

Liegt ein Wert deutlich daneben – besonders bei Protein oder Feuchtigkeit –, solltest Du genauer hinschauen.

Check 4: Die Zusatzstoffe

Ein gutes Futter braucht wenige Zusatzstoffe. Unverzichtbar sind:

  • Taurin – eine essenzielle Aminosäure, die Katzen nicht selbst bilden können
  • Vitamine und Mineralstoffe in ausgewogener Dosierung

Problematisch sind dagegen:

  • Künstliche Aromen und Geschmacksverstärker
  • Konservierungsstoffe wie BHA, BHT oder Ethoxyquin
  • Farbstoffe
  • Hohe Zuckerzusätze

Ein Futter mit der Aufschrift "enthält keine künstlichen Zusatzstoffe" ist daher in der Regel vorzuziehen – solange die Aussage wirklich stimmt.


Die ideale Fütterung im Alltag

Wie oft und wie viel? Hier ein Überblick:

Häufigkeit

Eine Wildkatze frisst in freier Natur etwa zehnmal pro Tag kleine Portionen. Der Katzenmagen ist auf viele kleine Mahlzeiten ausgelegt, nicht auf große Hauptmahlzeiten. Für Hauskatzen heißt das:

  • Mindestens zwei Nassfutter-Mahlzeiten täglich sind Pflicht
  • Zusätzliche kleine Trockenfutter-Portionen über den Tag verteilt sind okay, wenn die Katze nicht zu Übergewicht neigt
  • Bei übergewichtigen Katzen: zwei bis drei feste Mahlzeiten und zwischendurch nichts

Menge

Die Menge hängt vom Gewicht, Alter und Aktivitätsniveau ab. Faustregel für eine erwachsene, normalgewichtige Hauskatze:

  • Pro Kilogramm Körpergewicht etwa 40–50 Gramm Nassfutter täglich

Für eine 4-kg-Katze sind das 160–200 Gramm pro Tag. Die Herstellerangaben auf den Dosen sind oft zu hoch angesetzt – nimm sie als Obergrenze, nicht als Empfehlung.

Wir bauen gerade einen [Futtermengen-Rechner], mit dem Du die exakte Menge für Deine Katze berechnen kannst.

Trinken

Frisches Wasser sollte immer verfügbar sein, auch wenn Deine Katze nur selten trinkt. Tipps, wie Du die Wasseraufnahme förderst:

  • Mehrere Trinkstellen in der Wohnung aufstellen
  • Wasserschale nicht direkt neben den Futternapf stellen (Katzen mögen in freier Natur kein Wasser in direkter Nähe von Beute)
  • Trinkbrunnen testen – viele Katzen lieben sie
  • Nassfutter fördert ebenfalls die Flüssigkeitsaufnahme

Das Wichtigste auf einen Blick

Ein gutes Katzenfutter:

  • enthält viel echtes, benanntes Fleisch (idealerweise über 70 %)
  • hat eine offene Deklaration mit Prozentangaben
  • kommt der Maus-Zusammensetzung nahe (viel Protein, wenig Kohlenhydrate, hoher Wassergehalt)
  • verzichtet auf Zucker und künstliche Zusätze
  • enthält das unverzichtbare Taurin
  • kommt in regelmäßigen Mahlzeiten und mit viel frischem Wasser

Das klingt einfach. Die Realität im Supermarkt sieht anders aus – dort enthalten viele Futter genau diese Dinge eben nicht. Deshalb gibt es Katzenfutter.net. Damit Du nicht für jeden Einkauf zur Lupe greifen musst.


Wie geht es weiter?

Wenn Du tiefer einsteigen möchtest, empfehle ich Dir diese Artikel:

  • [Deklaration lesen lernen – Was wirklich im Katzenfutter steckt] – der nächste logische Schritt, um Dich durch jede Zutatenliste zu arbeiten
  • [Stiftung Warentest vs. ÖKO-TEST] – warum die großen Tests nur die halbe Wahrheit zeigen
  • [Futterumstellung – Wie Deine Katze behutsam auf besseres Futter umgestellt wird] – wenn Du jetzt weißt, dass Euer aktuelles Futter nicht das richtige ist
  • [Zu den Testberichten] – konkrete Marken-Empfehlungen nach meinem 8-Kriterien-System

Quellen und weiterführende Literatur

  • Zentek, J.: Ernährung des Hundes (Parey Verlag, aktuelle Auflage) – grundlegende Ernährungslehre, viele Passagen auf Katzen übertragbar
  • FEDIAF Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (2024) – europäischer Standard für Alleinfuttermittel
  • National Research Council: Nutrient Requirements of Dogs and Cats (2006) – internationaler Referenzwert
  • Dillitzer, N.: Tierärztliche Ernährungsberatung – praktische Grundlagen
  • Tierschutzbund e.V.: "Die Haltung von Katzen" – verständlicher Überblick für Einsteiger

Artikel-Stand: April 2026. Dieser Artikel wird bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.

Futterumstellung bei Katzen


Futterumstellung bei Katzen: So klappt der Wechsel wirklich

Die Erkenntnis kommt oft plötzlich. Du liest einen Artikel über Deklarationen. Oder Du schaust Dir die Zutatenliste des Futters genauer an, das Deine Katze seit Jahren bekommt. Oder Du triffst eine Katzenmama im Park, die vom Nierenschaden ihrer Katze erzählt. Und dann möchtest Du schleunigst umstellen – weg vom bisherigen Futter, hin zu etwas Besserem.

Nur: Die Katze sieht das anders.

In diesem Artikel bekommst Du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Futterumstellung. Von "meine Katze rümpft die Nase" bis zu "sie frisst jetzt seit vier Wochen begeistert das neue Futter" – und alles dazwischen.


Warum Futterumstellung so schwierig sein kann

Katzen sind Gewohnheitstiere. Und sie lernen früh, was für sie "Futter" ist. Das, was sie in den ersten Lebensmonaten bekommen haben, prägt ihr Verständnis davon, wie "richtiges" Futter schmeckt und riecht. Wenn Du Deine Katze aus dem Tierheim oder vom Vorbesitzer übernommen hast und dort Trockenfutter oder eine bestimmte Marke dominiert hat, ist das für sie der Maßstab.

Dazu kommt: Katzen haben im Vergleich zu uns Menschen deutlich weniger Geschmacksknospen. Sie können zum Beispiel Süßes nicht schmecken. Dafür ist ihr Geruchssinn sehr viel feiner entwickelt. Wenn ein Futter "anders riecht", ist das für die Katze ein massives Warnsignal – in freier Natur würde sie unbekannt riechende Nahrung auch nicht einfach fressen.

Und schließlich: Katzen haben einen empfindlichen Verdauungstrakt, der sich nur langsam an neue Nahrung anpasst. Eine zu schnelle Umstellung kann zu Durchfall, Erbrechen oder Nahrungsverweigerung führen.

All das bedeutet nicht, dass Umstellung unmöglich ist. Aber sie braucht Zeit, Geduld und die richtige Methode.


Meine eigene Geschichte mit der Futterumstellung

[PERSÖNLICHE ANEKDOTE: Hier die Fressnapf-Geschichte ausbauen – die Geschichte aus Deinem ersten Text mit den 10 Sorten aus dem Fressnapf, die alle in der Tonne landeten. Gerne konkret werden: Welches Futter hattest Du vorher? Was hast Du alles probiert? Wann kam der Moment, an dem Du gedacht hast "so kann das nicht weitergehen"? 5–8 Sätze.]

Wenn ich eines aus dieser Zeit mitgenommen habe: Es geht nicht darum, das richtige Futter auf den ersten Versuch zu treffen. Es geht darum, systematisch vorzugehen – und nicht in zehn verschiedene Richtungen gleichzeitig zu experimentieren.


Die 7-Schritte-Anleitung für eine erfolgreiche Futterumstellung

Schritt 1: Überprüfe, ob Umstellung wirklich jetzt sein muss

Bevor Du anfängst, eine kurze Gewissensfrage: Ist der Zeitpunkt gerade gut?

Futterumstellung bedeutet Stress für die Katze. Stress führt zu Unwohlsein. Unwohlsein führt manchmal zu Verhaltensauffälligkeiten. Wenn Deine Katze gerade in einer anderen Ausnahmesituation ist – Umzug, neues Familienmitglied, Tierarztbesuch stand kürzlich an, Krankheit – verschiebe die Umstellung lieber um zwei, drei Wochen.

Umstellungs-Zeitpunkte, die gut sind:

  • Stabile Alltagssituation
  • Gesunde, entspannte Katze
  • Du hast mindestens 2–3 Wochen Zeit für die Umstellung ohne Unterbrechungen

Umstellungs-Zeitpunkte, die nicht gut sind:

  • Direkt nach einem Umzug
  • Während oder kurz nach einer Erkrankung
  • In einer Lebensphase mit Dauerstress (z.B. bei Trennungen im Haushalt)

Schritt 2: Wähle das neue Futter sorgfältig aus

Klingt selbstverständlich, aber ich habe oft gesehen, dass Menschen ungeduldig werden und "mal schauen, was die Katze frisst". Das führt dazu, dass Du mehrere Umstellungs-Prozesse parallel startest – und die Katze völlig verwirrt ist.

Besser: Ein neues Futter auswählen, das Deinen Qualitätsansprüchen entspricht. Dabei helfen:

  • [Meine Testberichte zu einzelnen Marken]
  • [Der Futter-Finder für eine schnelle Empfehlung]
  • [Der Leitfaden zur Deklaration]

Tipp: Wenn Deine Katze bisher Trockenfutter bekommen hat und Du auf Nassfutter umstellen willst, wähle zum Einstieg ein mildes Nassfutter mit einer Sorte, die sie auch aus ihrem bisherigen Futter kennt (z.B. Huhn oder Pute). Das reduziert eine Variable.

Schritt 3: Besorge ausreichend Vorrat

Bevor Du startest, hast Du beide Futter im Haus – das alte und das neue. Und zwar für mindestens 2 Wochen. Es gibt nichts Frustrierenderes, als mitten in der Umstellung zu merken, dass das alte Futter alle ist und Du jetzt abrupt wechseln musst.

Schritt 4: Die schrittweise Mischmethode (Tag 1–14)

Das ist die klassische Methode, die bei den meisten Katzen funktioniert. Du mischst das neue Futter in winzigen Mengen unter das bekannte Futter und steigerst die Menge über mehrere Tage.

Der bewährte Zeitplan für eine 14-Tage-Umstellung:

Tag Altes Futter Neues Futter
1–3 90 % 10 %
4–6 75 % 25 %
7–9 50 % 50 %
10–12 25 % 75 %
13–14 10 % 90 %
ab Tag 15 0 % 100 %

Ganz wichtig: Das ist ein Richtwert. Wenn Deine Katze zwischendurch Verdauungsprobleme bekommt oder das Mischfutter nicht mehr frisst, gehst Du einen Schritt zurück und bleibst ein paar Tage länger auf derselben Stufe.

Bei sensiblen Katzen kannst Du die Umstellung auch über 3 bis 4 Wochen strecken. Je langsamer, desto besser die Akzeptanz.

Schritt 5: Beobachte genau

Während der Umstellung beobachte täglich:

  • Frisst die Katze den Napf leer? Oder bleibt das Mischfutter stehen?
  • Wie ist die Verdauung? Weicher Stuhl oder sogar Durchfall können ein Zeichen sein, dass die Umstellung zu schnell geht.
  • Verhalten sich Deine Katze normal? Oder wirkt sie niedergeschlagen oder ungewöhnlich unruhig?
  • Gewicht: Bei einer längeren Umstellung lohnt sich eine Waage.

Wenn Du Auffälligkeiten siehst, nimm Dir Zeit. Geh einen Schritt zurück. Konsultiere im Zweifel einen Tierarzt.

Schritt 6: Nach erfolgreicher Umstellung – die 6-Wochen-Probe

Auch wenn die Katze nach 2 Wochen komplett auf das neue Futter umgestellt ist, bist Du noch nicht am Ziel. Die wirkliche Qualitätsprüfung läuft die nächsten 4–6 Wochen:

  • Bleibt die Fresslust stabil?
  • Wie ist die Fellqualität? (Besseres Futter macht oft sichtbar glänzenderes Fell.)
  • Wie ist das Gewicht?
  • Wie ist das Verdauungsverhalten? (Stuhlkonsistenz, Häufigkeit, Ausbleiben von Erbrechen)
  • Wie ist die Energie und das Allgemeinbefinden?

Erst wenn all diese Faktoren nach 6 Wochen positiv sind, kannst Du sagen: Das neue Futter passt.

Schritt 7: Plane zukünftige Abwechslung

Mein Tipp: Nicht nur auf ein Futter festlegen. Katzen brauchen Abwechslung, und eine zu monotone Ernährung kann zu Nährstoff-Ungleichgewichten führen.

Besser: Nach der erfolgreichen Umstellung rotierst Du zwischen 2–4 Futtersorten, die alle Deinem Qualitätsanspruch genügen. Zum Beispiel ein Huhn-Futter, ein Rind-Futter, ein Lamm-Futter. Das fördert eine breitere Versorgung mit verschiedenen Aminosäuren und reduziert das Risiko, dass Deine Katze mit der Zeit "ausfüttert".


Was tun, wenn die Katze das neue Futter verweigert?

Manchmal läuft die Umstellung trotz aller Vorbereitung schwierig. Hier die wichtigsten Tipps aus der Praxis.

Tipp 1: Das Futter leicht anwärmen

Besonders bei Nassfutter direkt aus dem Kühlschrank: Katzen mögen es nicht kalt. Kurz mit warmem Wasser aus der Dose-umgeben oder in der Handfläche anwärmen (nicht heiß!). Die intensiveren Gerüche machen das Futter attraktiver.

Tipp 2: Zweites Schälchen daneben stellen

Statt zu mischen: Biete das neue Futter in einem separaten Schälchen neben dem bekannten an. Die Katze kann am Geruch schnuppern, ohne dass ihr bekanntes Futter "verunreinigt" wird. Viele Katzen beginnen nach 2–4 Tagen, aus Neugier am neuen Futter zu probieren.

Tipp 3: Kleine Mengen, öfter frisch

Gerade bei Nassfutter wichtig: Lieber viele kleine frische Portionen als eine große, die stundenlang im Napf steht. Katzenfutter, das zu lange offen liegt, wird unappetitlich.

Tipp für den Alltag: Das neue Futter portionsweise in einen Eiswürfelbehälter einfrieren. So kannst Du jede Mahlzeit frisch servieren, ohne jedes Mal eine ganze Dose zu öffnen, die im Zweifel wegfliegt.

Tipp 4: Bei Trockenfutter – anfeuchten

Wenn Du von Trockenfutter auf Nassfutter umstellst, kann es helfen, das Trockenfutter zunächst leicht anzufeuchten (mit lauwarmem Wasser). So gewöhnt sich die Katze an feuchtere Konsistenz. Vorsicht: Angefeuchtetes Trockenfutter schimmelt schnell. Maximal 30 Minuten stehen lassen, dann entsorgen.

Tipp 5: Geduld statt Hunger-Strategie

Niemals die Katze hungern lassen, um sie zum Fressen des neuen Futters zu zwingen. Das klingt vielleicht nach einer Erziehungsmethode – ist aber bei Katzen lebensgefährlich. Eine Katze sollte nie länger als 36 Stunden ohne Nahrung sein. Bei längerer Nahrungskarenz droht eine hepatische Lipidose (Fettleber-Erkrankung), die für die Katze tödlich enden kann.

Wenn Deine Katze also das Mischfutter verweigert, gib ihr lieber wieder ihr bekanntes Futter und starte die Umstellung später oder mit einer anderen Sorte nochmal.

Tipp 6: Keine Leckerlis zwischendurch

Während der Umstellung solltest Du keine Leckerlis zwischen den Mahlzeiten geben. Sonst stellt die Katze fest, dass sie das unliebsame neue Futter verweigern kann und trotzdem "etwas Gutes" bekommt. Das sabotiert die Umstellung.


Häufige Fehler bei der Futterumstellung

Aus meiner eigenen Erfahrung und aus Rückmeldungen vieler Leser – das sind die häufigsten Stolpersteine:

Fehler 1: Zu viele Sorten auf einmal. Viele starten mit 5 oder 10 verschiedenen Sorten, weil sie rausfinden wollen, "was der Katze schmeckt". Das funktioniert in der Regel nicht, weil die Katze durcheinander ist und sich auf nichts festlegt.

Fehler 2: Abrupter Wechsel. "Heute Abend die letzte Dose vom alten Futter, morgen dann das neue." Das führt fast immer zu Verweigerung oder Verdauungsproblemen.

Fehler 3: Frustration nach 3 Tagen aufgeben. Drei Tage sind keine Umstellung. Eine echte Umstellung braucht 2–4 Wochen.

Fehler 4: Neues Futter als Zwischenmahlzeit. Wenn das neue Futter zwischen den "echten" Mahlzeiten angeboten wird, signalisierst Du der Katze: Das ist ein Snack, keine Hauptnahrung. Sie wird es entsprechend behandeln.

Fehler 5: Bei Verweigerung sofort ganz zurück. Wenn die Katze am 5. Tag den Napf verweigert, nicht gleich komplett zum alten Futter zurück. Einen Schritt zurückgehen reicht oft.

Fehler 6: Keine Rücksprache mit dem Tierarzt bei Grunderkrankungen. Wenn Deine Katze Niereninsuffizienz, Diabetes, Allergien oder eine andere Erkrankung hat, ist die Futterumstellung kein rein geschmackliches Thema. Hier unbedingt mit dem Tierarzt abstimmen.


Besondere Umstellungs-Szenarien

Von Trockenfutter auf Nassfutter

Das ist die anspruchsvollste Umstellung. Einige Tipps:

  • Zunächst nur eine Trockenfutter-Mahlzeit durch Nassfutter ersetzen, dann nach 1–2 Wochen die zweite
  • Anfangs geringe Nassfutter-Mengen, weil die Katze sich an die neue Konsistenz gewöhnen muss
  • Das Trockenfutter mit etwas Wasser anreichern, um die Katze an Feuchtigkeit zu gewöhnen

Von konventionellem auf Bio-Futter

Meist problemlos, da der Geschmack sich oft ähnelt. Wichtig hier: Prüfe die Deklaration. Nicht jedes Bio-Futter ist automatisch hochwertig in der Zusammensetzung.

Von Fertigfutter auf BARF (Rohfütterung)

Das ist keine Umstellung, das ist ein Systemwechsel. BARF erfordert fachliche Grundlagen (Supplementierung, Hygiene, Menge). Falls Du das in Erwägung ziehst: Lass Dich von einem auf Ernährung spezialisierten Tierarzt beraten und lies Dich gründlich ein, bevor Du startest. BARF falsch gemacht macht Katzen krank.

Bei mehreren Katzen im Haushalt

Wenn Du mehrere Katzen hast, die bisher verschiedene Futter bekommen haben, ist die Umstellung komplizierter. Mein Tipp:

  • Alle Katzen gleichzeitig auf dasselbe neue Futter umstellen
  • Separate Futterplätze beibehalten, damit Du die Menge pro Katze kontrollieren kannst
  • Bei einem großen Akzeptanz-Unterschied zwischen den Katzen: nicht alle zwingen, sondern individuell anpassen

Zum Abschluss: Geduld, Geduld, Geduld

Die meisten Umstellungs-Probleme lösen sich durch das eine, was uns oft schwerfällt: Geduld.

Eine Katze, die seit 3 Jahren dasselbe Futter bekommt, wird nicht in 3 Tagen auf etwas Neues umgestellt. Das ist nicht Tier-Dickköpfigkeit, das ist Biologie.

Gib Dir – und Deiner Katze – die Zeit, die eine gute Umstellung braucht. Am Ende stehen eine gesündere Katze, ein besserer Napf und weniger Sorgen beim nächsten Tierarzt-Check.


Weiterführende Artikel

  • [Was Katzen wirklich fressen sollten] – die Ernährungsgrundlagen
  • [Deklaration lesen lernen] – wie Du das richtige neue Futter auswählst
  • [Meine Testberichte] – konkrete Marken-Empfehlungen
  • [Der Futter-Finder] – in 5 Minuten zur persönlichen Empfehlung

Quellen

  • Tierschutzbund e.V.: "Die Haltung von Katzen" – Abschnitt Fütterung
  • Dr. Hölter Tiermedizin: Futterumstellungs-Leitfaden
  • Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Kleintiere: Empfehlungen zur Futterumstellung
  • FEDIAF Nutritional Guidelines (2024)

Artikel-Stand: April 2026. Dieser Artikel wird basierend auf Lesererfahrungen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.

Katzenfutter-Deklaration lesen lernen


Katzenfutter-Deklaration lesen lernen

Eine Futterdose ist eine verschlüsselte Botschaft. Vorne leuchten Marketingbegriffe – "artgerecht", "natürlich", "mit saftigem Huhn". Hinten steht das, worauf es wirklich ankommt. Doch das ist so geschrieben, dass es fast niemand beim ersten Blick versteht.

"Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 % Huhn)" – was heißt das konkret? Ist das gut, schlecht, Durchschnitt? Warum steht "4 %" in Klammern, wenn die Dose so tut, als wäre sie voller Huhn?

Nach diesem Artikel weißt Du es. Du wirst jede Katzenfutter-Dose in unter einer Minute richtig einordnen können. Lass uns anfangen.


Was auf einer Katzenfutterdose stehen muss

In der EU ist die Kennzeichnung von Katzenfutter per Verordnung geregelt (EG 767/2009). Jeder Hersteller muss bestimmte Informationen angeben. Die wichtigsten sind:

  1. Produktbezeichnung ("Alleinfuttermittel für Katzen" oder "Ergänzungsfuttermittel")
  2. Zusammensetzung – die Zutatenliste
  3. Analytische Bestandteile – die Nährwerte
  4. Zusatzstoffe – Vitamine und weitere Zusätze
  5. Fütterungsempfehlung – Menge pro kg Körpergewicht
  6. Mindesthaltbarkeitsdatum
  7. Hersteller-Angaben

Für eine gute Bewertung ist vor allem die Zusammensetzung wichtig – und die ist gleichzeitig der Abschnitt, bei dem Hersteller am meisten tricksen können.


Die erste entscheidende Frage: Alleinfutter oder Ergänzungsfutter?

Ganz oben auf jeder Dose steht die Produktkategorie. Das ist wichtiger, als viele denken.

Alleinfuttermittel

Wenn "Alleinfuttermittel für Katzen" auf der Dose steht, bedeutet das: Das Futter deckt vollständig den täglichen Nährstoffbedarf einer Katze. Es kann als einzige Nahrungsquelle dienen.

Die meisten hochwertigen Nassfutter sind Alleinfuttermittel. Wenn Du Deiner Katze einmal täglich dasselbe Alleinfuttermittel gibst, ist sie ausreichend versorgt.

Ergänzungsfuttermittel

"Ergänzungsfuttermittel" ist etwas anderes. Das sind zum Beispiel Leckerlis, Einzelsorten (pures Muskelfleisch), bestimmte Pasteten. Sie enthalten nicht alle notwendigen Nährstoffe und dürfen nur in Kombination mit anderem Futter gegeben werden.

Warum das wichtig ist: Manche Halter kaufen im Fachhandel zum Beispiel hochwertige Huhn-Pur-Dosen und denken, das sei das beste Futter. In Wahrheit fehlen in diesen Dosen oft essenzielle Zusätze wie Taurin. Über Wochen gefüttert kann das zur Unterversorgung führen.

Faustregel: Wenn "Ergänzungsfuttermittel" auf der Dose steht, darf das Futter nicht die einzige Nahrungsquelle sein. Lies dann immer die Fütterungsempfehlung – dort steht, wie es kombiniert werden sollte.


Die Zusammensetzung verstehen – der wichtigste Teil

Die Zusammensetzung listet alle Zutaten in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil. Das bedeutet: Was vorne steht, ist mengenmäßig am meisten enthalten.

Das klingt einfach. Die Realität: Hersteller verstecken hier systematisch Informationen. Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Arten, wie die Zusammensetzung angegeben werden kann – und der Unterschied ist riesig.

Die geschlossene Deklaration (das Warnsignal)

Beispiel eines Futters mit geschlossener Deklaration:

Zusammensetzung: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (mit Huhn 4 %), Mineralstoffe, pflanzliche Nebenerzeugnisse.

Das ist kaum Information. Du weißt:

  • Irgendwelches Fleisch und irgendwelche Nebenprodukte sind drin
  • Mindestens 4 % davon ist Huhn
  • Es gibt Mineralstoffzusätze
  • Irgendwelche Pflanzenteile sind auch drin

Du weißt nicht:

  • Wie hoch der Gesamt-Fleischanteil ist
  • Welche anderen Tierarten verwendet wurden (Schwein? Rind? Geflügel-Mix?)
  • Was die "Nebenerzeugnisse" konkret sind (Muskelfleisch? Innereien? Fellreste?)
  • Welche Pflanzen und in welchem Anteil

Die geschlossene Deklaration ist legal. Sie ist aber in der Praxis eine freie Lizenz zur Rezepturanpassung. Der Hersteller kann zwischen Chargen variieren, was er verwendet – je nachdem, was gerade günstig am Markt zu haben ist.

Die offene Deklaration (das Qualitätsmerkmal)

Beispiel eines Futters mit offener Deklaration:

Zusammensetzung: Huhn 62 % (Muskelfleisch 45 %, Herz 10 %, Leber 7 %), Hühnerbrühe 33 %, Karotten 2 %, Lachsöl 1 %, Mineralstoffe 0,5 %, Vitamine 0,5 %, Taurin 0,1 %.

Jetzt weißt Du sehr genau, was drin ist. Du kannst beurteilen:

  • Hoher Fleischanteil? (62 %)
  • Qualitätsfleisch? (hauptsächlich Muskelfleisch)
  • Innereien mit Maß? (Herz und Leber in angemessenen Mengen)
  • Wenig Pflanzliches? (nur 2 % Karotten)
  • Wichtige Zusätze? (Lachsöl, Taurin)

Eine offene Deklaration ist fast immer ein Zeichen für einen Hersteller, der nichts zu verbergen hat. Eine geschlossene Deklaration ist fast immer ein Zeichen dafür, dass der Hersteller etwas zu verbergen hat – zum Beispiel minderwertige Nebenerzeugnisse oder wechselnde Zusammensetzungen.


Die 4-Prozent-Regel – der größte Legal-Trick der Branche

Das ist der Punkt, an dem bei mir die Laune meistens kippt.

Wenn auf einer Dose "mit Huhn" steht, müssen laut EU-Recht nur 4 Prozent Huhn enthalten sein. Vier Prozent.

Nicht 40 Prozent. Nicht 14 Prozent. Vier.

Die komplette Staffelung nach EU-Labeling-Regeln:

Aufschrift Mindestanteil der genannten Zutat
"Mit Huhn" / "mit Rind" mindestens 4 %
"Reich an Huhn" / "Mit extra Huhn" mindestens 14 %
"Huhn-Menü" / "Huhn" (als einzige Fleischsorte in der Bezeichnung) mindestens 26 %
"Alles Huhn" / "100 % Huhn" nur Huhn, keine andere Fleischsorte

Das heißt praktisch:

  • Eine Dose "Felix mit Huhn" kann 96 % aus anderen Zutaten bestehen, solange 4 % Huhn drin sind.
  • Auf dem Etikett prangt ein Hühnchenbild. In der Dose können Schwein, Rind und Pute dominieren.
  • Das ist legal. Stiftung Warentest hat 2020 explizit festgestellt, dass diese 4 % in den getesteten Sorten auch eingehalten wurden. Sie haben es aber nicht als Mangel gewertet.

Mein persönliches Urteil dazu: Was soll das?! Wenn 96 % der Dose nicht Huhn sind, warum darf das Tier abgebildet sein? Das ist Marketing auf Kosten von Transparenz. Und das wichtigste Instrument dagegen ist: Die Zutatenliste lesen.


Was verbirgt sich hinter "tierischen Nebenerzeugnissen"?

Die Formulierung "tierische Nebenerzeugnisse" klingt furchterregend. In der Realität ist es differenzierter.

Nach EU-Recht dürfen in Katzenfutter nur Nebenerzeugnisse der Kategorie 3 verwendet werden. Das sind:

Zulässig in Katzenfutter (Kategorie 3):

  • Teile geschlachteter Tiere, die für den Menschen geeignet, aber aus handelsüblichen Gründen nicht verwendet werden
  • Blut von für den Menschen geeigneten Tieren
  • Fettgewebe
  • Eiernebenprodukte
  • Eintagsküken (männliche Legehuhn-Küken)
  • Bestimmte Speiseabfälle aus der Lebensmittelindustrie
  • Geflügelköpfe, -hälse, -füße
  • Hufe, Hörner, Haare, Federn

Nicht zulässig in Katzenfutter (Kategorien 1 und 2):

  • Klärschlamm
  • Urin und Mageninhalt
  • Föten
  • Eizellen und Samen
  • Körper verendeter Tiere, die nicht geschlachtet wurden
  • Tiere mit Krankheiten
  • Schädlingsbekämpfungsmittelrückstände

Das ist zunächst beruhigend. Was nicht reingehört, darf auch nicht rein. Aber der Ermessensspielraum innerhalb der Kategorie 3 ist enorm.

Der Unterschied zwischen guten und schlechten Nebenerzeugnissen:

  • Gute Nebenerzeugnisse: Herz, Leber, Nieren, Lunge – also Innereien, die für Katzen ernährungsphysiologisch hochwertig sind. Eine Katze würde in freier Natur genau diese Organe bevorzugt fressen.
  • Schlechte Nebenerzeugnisse: Hufe, Horn, Federn, Krallen – also Bindegewebe und Strukturreste, die kaum verdaulich sind und wenig Nährwert haben.

Das Problem bei geschlossener Deklaration: Du kannst beides nicht unterscheiden. "Tierische Nebenerzeugnisse" kann alles sein.


Die analytischen Bestandteile richtig einordnen

Neben der Zusammensetzung stehen die analytischen Bestandteile auf jeder Dose. Das sind die Nährwerte.

Ein typisches Beispiel für ein gutes Nassfutter:

Rohprotein: 10,5 % Rohfett: 6,5 % Rohfaser: 0,4 % Rohasche: 2,0 % Feuchtigkeit: 78 %

Was diese Werte bedeuten

Rohprotein: Der Gesamt-Eiweißgehalt. Bei einem guten Nassfutter sollte er zwischen 10 und 12 Prozent liegen.

Rohfett: Gesamt-Fettgehalt. Ideal sind 5 bis 8 Prozent.

Rohfaser: Unverdauliche Pflanzenfasern. Sollte möglichst niedrig sein – unter 1 Prozent.

Rohasche: Nicht wie der Name suggeriert "Verbranntes", sondern der Mineralstoff-Anteil (was bei chemischer Verbrennung als "Asche" übrigbleibt). 1,5 bis 2,5 Prozent sind ideal. Deutlich mehr weist auf zu hohe Mineralstoffzugabe hin.

Feuchtigkeit: Wassergehalt. Bei gutem Nassfutter zwischen 70 und 82 Prozent.

Die Berechnung des Kohlenhydrat-Anteils

Die EU-Pflichtangaben enthalten keinen Kohlenhydrat-Wert. Du kannst ihn aber selbst berechnen:

100 % – Protein – Fett – Asche – Feuchtigkeit = Kohlenhydrate (und sonstiges)

Bei unserem Beispiel oben:

100 – 10,5 – 6,5 – 2,0 – 78 = 3 % Kohlenhydrate

Das ist ein guter Wert. Bei einem schlechten Futter mit vielen Füllstoffen (Getreide) kann der Wert bei 10 % oder mehr liegen.

Calcium-Phosphor-Verhältnis

Gute Deklarationen geben Calcium und Phosphor separat an. Wichtig ist das Verhältnis: ideal ist 1,1: 1 bis 1,3: 1 (also etwas mehr Calcium als Phosphor).

Zu viel Phosphor gilt als Risikofaktor für Nierenschäden. ÖKO-TEST hat 2023 genau deshalb mehrere Produkte abgewertet.


Zusatzstoffe entschlüsseln

Unter dem Punkt "Zusatzstoffe" (oder "ernährungsphysiologische Zusatzstoffe") stehen:

  • Vitamine (A, D, E und andere)
  • Mineralstoffe (Zink, Mangan, Eisen, Kupfer, Selen, Jod)
  • Aminosäuren (besonders Taurin)

Was Du prüfen solltest:

Ist Taurin dabei? Katzen können Taurin nicht selbst bilden. Ein Alleinfuttermittel muss Taurin enthalten. Der Wert sollte bei etwa 1.500–2.000 mg pro kg Futter liegen.

Sind "technologische Zusatzstoffe" erwähnt? Das sind Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Verdickungsmittel. Gute Futter haben hier wenig bis nichts. Problematische Zusätze, die Du meiden solltest:

  • BHA / BHT (Butylhydroxyanisol / Butylhydroxytoluol) – synthetische Antioxidationsmittel
  • Ethoxyquin – ebenfalls Antioxidans, in Katzenfutter umstritten
  • Natrium-Benzoat / Kalium-Sorbat – Konservierungsstoffe
  • Künstliche Farbstoffe (E-Nummern)

Aromastoffe: Häufig vage als "natürliche Aromen" bezeichnet. Bei guten Herstellern nicht nötig – ein Futter mit echtem Fleisch schmeckt von selbst gut.


Zucker in verschiedenen Tarnnamen

Zucker hat in Katzenfutter nichts zu suchen. Katzen können Süßes gar nicht schmecken, Zucker schadet den Zähnen, und bei Diabetikern ist er ein Risiko. Trotzdem wird er manchmal zugesetzt, vor allem um die Bräunung der Soße zu verstärken oder als "Konsistenz-Verbesserer".

Tarnbegriffe für Zucker auf der Zutatenliste:

  • Zucker (klar)
  • Karamell
  • Rübenmelasse
  • Inulin
  • Apfelextrakt (enthält Fruktose)
  • Traubenzucker
  • Saccharose
  • Glukose-Sirup

Wenn einer dieser Begriffe auftaucht: Abwertung in meiner Bewertung.


In 60 Sekunden eine Dose bewerten: Die Schnell-Checkliste

So kannst Du in unter einer Minute jedes Katzenfutter einordnen:

1. Alleinfutter oder Ergänzungsfutter? (Auf der Vorderseite oben.)

2. Offene oder geschlossene Deklaration? Wenn "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ohne weitere Aufschlüsselung steht: Warnsignal.

3. Erste Zutat: Echtes, benanntes Fleisch (z.B. "Huhn 62 %") oder undefinierte Masse?

4. Fleischanteil gesamt: Bei Nassfutter idealerweise über 70 %. Steht das überhaupt auf der Dose?

5. Zuckersuche: Ist einer der Tarnbegriffe dabei?

6. Getreidecheck: Weizen, Mais, Reis, Soja – kommt das vor? Und wie hoch im Anteil?

7. Taurin und wichtige Vitamine: Sind sie in den Zusatzstoffen deklariert?

8. Analytische Bestandteile: Protein 10–12 %? Feuchtigkeit über 70 %? Rohasche unter 2,5 %?

Wenn alle acht Punkte grün sind, hast Du wahrscheinlich ein gutes Futter vor Dir. Wenn bei drei oder mehr Punkten Warnsignale aufleuchten, solltest Du die Dose zurückstellen.


Was das Etikett nicht verrät

Zum Schluss eine ehrliche Einordnung. Selbst die beste Zutatenliste sagt Dir nicht alles:

Herkunft der Rohstoffe. Eine Dose kann "Huhn 62 %" deklarieren und das Huhn kann aus Massentierhaltung in Osteuropa stammen – oder aus Freilandhaltung in Deutschland. Die Qualität der Rohstoffe geht aus dem Etikett nur selten hervor.

Produktionsprozess. Extrusion, Sterilisation, Kaltabfüllung – all das beeinflusst die Nährstoffqualität. Steht auf dem Etikett aber fast nie.

Chargenvariation. Auch bei offener Deklaration können Produktionen von Charge zu Charge leicht schwanken. Bei geschlossener Deklaration sogar deutlich.

Deshalb lohnt es sich, Hersteller zu wählen, die aktiv kommunizieren: Woher sie ihre Rohstoffe beziehen, wie sie produzieren, wie sie mit Qualitätskontrollen umgehen. Das ist oft aussagekräftiger als jede Zutatenliste.


Weiterführende Artikel

  • [Was Katzen wirklich fressen sollten] – die Ernährungsgrundlagen
  • [Stiftung Warentest vs. ÖKO-TEST] – warum Tests nur Teilwahrheiten zeigen
  • [Meine Testberichte] – konkrete Marken-Analysen mit dieser Methodik
  • [Nassfutter vs. Trockenfutter] – was ist besser?

Quellen

  • EU-Verordnung Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln
  • VO (EG) Nr. 1069/2009 über Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte
  • FEDIAF Code of Good Labelling Practice for Pet Food (aktuelle Ausgabe)
  • Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

Artikel-Stand: April 2026. Die EU-Kennzeichnungsregeln werden regelmäßig überarbeitet – dieser Artikel wird bei Änderungen aktualisiert.

Nassfutter oder Trockenfutter


Nassfutter oder Trockenfutter? Die ehrliche Antwort

Wenn Du Dich in Katzenhalter-Foren bewegst, bekommst Du auf diese Frage zwei Lager zu hören.

Lager 1: Trockenfutter ist der Tod Deiner Katze. Nierenschaden, Diabetes, Zahnprobleme – alles vorprogrammiert. Wer noch Trockenfutter füttert, hat sein Tier nicht lieb.

Lager 2: Trockenfutter ist praktisch, günstig, reinigt die Zähne, und die meisten Katzen leben damit problemlos alt. Alles andere sei übertriebener Öko-Alarmismus.

Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen. Und um ehrlich zu sein: Sie ist komplizierter, als beide Lager gerne zugeben.

In diesem Artikel klären wir die echte Faktenlage. Ohne Dogma, aber mit klarer Empfehlung.


Die kurze Antwort

Für die meisten Katzen ist eine nassfutter-dominierte Ernährung besser. Und zwar aus biologischen Gründen, nicht aus Öko-Ideologie.

Aber das heißt nicht, dass Trockenfutter automatisch schlecht ist. Es heißt: Nassfutter sollte die Basis sein, Trockenfutter die Ausnahme.

Wer lieber die ausführliche Begründung und die Nuancen will – lies weiter.


Der größte Unterschied: Feuchtigkeit

Beginnen wir mit dem Punkt, der alles andere dominiert: Der Wassergehalt.

Futter-Typ Feuchtigkeit Beispiel
Beutetier (Maus) 65–82 % Das natürliche Vorbild
Nassfutter 70–82 % Kommt dem Beutetier nahe
Halbfeuchtes Futter 20–35 % Pouches mit höherem Trockenanteil
Trockenfutter 8–12 % Extrudierte Pellets

Warum das so wichtig ist: Katzen sind von Natur aus schlechte Trinker. Sie stammen von Wüsten- und Savannen-Katzen ab, die ihren Flüssigkeitsbedarf fast vollständig über die Beute gedeckt haben. Freies Trinkwasser spielte in der Evolution eine untergeordnete Rolle.

Das Problem: Dieses biologische Muster ist bis heute aktiv. Katzen spüren Durst erst spät, und selbst wenn Wasser zur Verfügung steht, trinken viele zu wenig.

Wie viel Flüssigkeit braucht eine Katze wirklich?

Faustregel: Eine Katze braucht pro Tag etwa 50 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht. Für eine 4-kg-Katze sind das 200 ml pro Tag.

Wenn Du ausschließlich Nassfutter fütterst: Bei 200 g Nassfutter pro Tag (mit ca. 78 % Feuchtigkeit) bekommt die Katze schon 156 ml Flüssigkeit aus dem Futter. Die restlichen 44 ml muss sie zusätzlich trinken – oft kein Problem.

Wenn Du ausschließlich Trockenfutter fütterst: 60 g Trockenfutter pro Tag (mit ca. 10 % Feuchtigkeit) liefern nur 6 ml Flüssigkeit. Die fehlenden 194 ml müssen komplett über Trinkwasser kommen. Das schaffen viele Katzen nicht.

Die Konsequenz ist eine chronische Unterhydrierung, die über Jahre die Nieren belastet. Nicht umsonst sind Niereninsuffizienz im Alter und Harnwegserkrankungen die häufigsten Gesundheitsprobleme von Katzen – und beide sind mit Wassermangel verknüpft.


Was die Wissenschaft dazu sagt

Die Einschätzungen der Fachwelt sind bei diesem Thema nicht einheitlich, aber eine deutliche Tendenz ist erkennbar.

Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt Nassfutter explizit, weil Katzen aufgrund ihrer Abstammung dazu neigen, relativ wenig Flüssigkeit aufzunehmen. Deren Aufnahme erfolge vor allem durch den Verzehr des Beutetiers und des damit verbundenen Körperwassergehalts.

Prof. Dr. Jürgen Zentek vom Institut für Tierernährung der FU Berlin wies in seiner Einschätzung zum ÖKO-TEST Katzenfutter 2023 darauf hin, dass bei älteren Katzen Nieren- und Leberleiden durch unpassende Ernährung verstärkt werden können. Hoher Phosphor- und Eiweißgehalt des Futters spielen hier eine Rolle – und Trockenfutter hat in der Regel höhere Mineralstoffkonzentrationen pro Gramm als Nassfutter.

Tierärztliche Fachverbände wie die British Small Animal Veterinary Association empfehlen für gesunde erwachsene Katzen, mindestens 50 Prozent der Ration als Nassfutter anzubieten.

Gleichzeitig gibt es keine Studie, die zeigt, dass Katzen mit gelegentlichem Trockenfutter-Anteil signifikant kürzer leben. Der Zusammenhang zwischen Trockenfutter und Krankheiten ist indirekt (über die Flüssigkeitsaufnahme), nicht direkt (durch das Futter selbst).

Mein Fazit aus der Literatur: Nassfutter dominiert, Trockenfutter ergänzt.


Die Argumente für Nassfutter

Pro-Nassfutter-Argument 1: Flüssigkeitszufuhr. Das zentrale und wichtigste Argument. Ein Nassfutter mit 78 % Feuchtigkeit kommt dem natürlichen Beutetier nahe und versorgt die Katze automatisch mit Wasser.

Pro-Nassfutter-Argument 2: Höherer Fleischanteil möglich. Gute Nassfutter haben oft 60–95 % Fleischanteil. Trockenfutter enthält herstellungsbedingt immer einen höheren Anteil pflanzlicher Bestandteile (meist Getreide), weil sich die Pellets sonst nicht formen ließen.

Pro-Nassfutter-Argument 3: Bessere Sättigung. Nassfutter sättigt meist besser – was vor allem bei übergewichtigen Katzen wichtig ist. Ein großes Volumen mit weniger Kalorien führt zu längerer Sättigung.

Pro-Nassfutter-Argument 4: Geringere Gefahr von Überfütterung. Beim Trockenfutter wird schnell zu viel Energie aufgenommen, weil eine scheinbar kleine Menge viele Kalorien enthält. Übergewicht bei Katzen ist eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit.

Pro-Nassfutter-Argument 5: Artgerechter vom Geschmack und der Konsistenz. Eine Katze, die ihre natürliche Beute jagen würde, würde weiches, feuchtes Fleisch fressen – nicht trockene Pellets.


Die Argumente für Trockenfutter

Damit das hier nicht einseitig wird – es gibt auch legitime Gründe für Trockenfutter. Die wichtigsten:

Pro-Trockenfutter-Argument 1: Praktikabilität. Trockenfutter ist länger haltbar, lässt sich portionieren und im Automaten verfüttern. Für Menschen mit sehr unregelmäßigem Tagesablauf kann das entscheidend sein.

Pro-Trockenfutter-Argument 2: Günstiger. Pro Mahlzeit meist deutlich günstiger als Nassfutter. Bei geringem Budget eine realistische Überlegung.

Pro-Trockenfutter-Argument 3: Weniger Verpackungsmüll. Eine Großpackung Trockenfutter erzeugt weniger Verpackung als dieselbe Menge Nassfutter in Portionsdosen.

Pro-Trockenfutter-Argument 4: Langfristige Aufbewahrung. Trockenfutter kann über Stunden im Napf stehen, ohne unappetitlich zu werden. Bei Nassfutter beginnt nach 30–60 Minuten die Austrocknung und Veränderung.

Der oft genannte Zahnreinigungs-Effekt: Dieser ist überschätzt. Studien zeigen nur einen minimalen Effekt von Trockenfutter auf die Zahngesundheit – und der betrifft nur bestimmte spezielle Zahnpflege-Trockenfutter mit spezieller Krokettenstruktur. Normales Trockenfutter reinigt die Zähne kaum besser als Nassfutter. Wer wirklich etwas für die Zähne der Katze tun will, kommt um gelegentliches Zähneputzen oder jährliche Tierarzt-Kontrollen nicht herum.


Die dritte Option: Gemischte Fütterung

Viele Menschen füttern sowohl Nass- als auch Trockenfutter – und das ist nicht per se schlecht, wenn es richtig gemacht wird.

Die sinnvolle Misch-Strategie

Empfohlene Aufteilung für gesunde erwachsene Katzen:

  • 70–80 % der Tageskalorien aus Nassfutter
  • 20–30 % der Tageskalorien aus Trockenfutter

Warum diese Verteilung?

  • Die Katze bekommt ihre Hauptflüssigkeit über das Nassfutter
  • Sie hat kleine Trockenfutter-Portionen als Snacks über den Tag
  • Die Kalorienaufnahme bleibt kontrollierbar

Praxisbeispiel für eine 4-kg-Katze:

  • Morgens: 1 Portion Nassfutter (ca. 80 g)
  • Abends: 1 Portion Nassfutter (ca. 80 g)
  • Kleine Trockenfutter-Portion über den Tag: 15–20 g

Was Du bei gemischter Fütterung beachten solltest

  • Die Gesamtkalorien im Blick behalten. Bei gemischter Fütterung wird schnell zu viel gefüttert.
  • Unbedingt mehrere Wasserstellen in der Wohnung anbieten. Trinkbrunnen sind meist hilfreich.
  • Keine Vermischung in einem Napf. Nass und trocken getrennt anbieten – die Katze entscheidet, was sie wann frisst.

Wann Nassfutter auf jeden Fall die richtige Wahl ist

In einigen Situationen ist Nassfutter nicht nur empfehlenswert, sondern notwendig:

Katzen mit Harnwegsproblemen. Bei FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease), Blasensteinen oder Blasenentzündungen muss die Flüssigkeitsaufnahme maximiert werden. Trockenfutter ist hier tabu.

Katzen mit Niereninsuffizienz. Chronisches Nierenversagen ist bei älteren Katzen extrem häufig. Hier zählt jeder Milliliter Wasser. Reine Nassfutter-Fütterung ist Pflicht.

Alte Katzen ab 10 Jahren. Auch ohne diagnostizierte Nierenprobleme. Ab diesem Alter sollte die Fütterung komplett oder weitgehend auf Nassfutter umgestellt sein.

Diabetische Katzen. Trockenfutter enthält oft zu viele Kohlenhydrate für diabetische Katzen. Auch hier dominiert Nassfutter.

Junge Kitten. Bis etwa 6 Monate solltest Du Kitten überwiegend Nassfutter anbieten. Die Flüssigkeitsversorgung ist in dieser Wachstumsphase kritisch.


Was Trockenfutter nie sein sollte

Wenn Du dennoch Trockenfutter füttern willst (wir haben die Welt nicht erfunden), gibt es klare No-Gos:

Trockenfutter als einzige Nahrungsquelle. Das ist die gefährlichste Kombination. Kombiniere IMMER mit Nassfutter oder sorge für deutliche Wasseraufnahme (siehe unten).

Trockenfutter mit "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ohne Spezifizierung. Die geschlossene Deklaration ist bei Trockenfutter noch häufiger als bei Nassfutter. Hier haben viele Hersteller minderwertige Strukturen verarbeitet.

Trockenfutter mit hohem Getreideanteil. Weizen, Mais, Reis als Hauptbestandteile sind ein klares Ausschlusskriterium. Auch wenn sie günstig sind.

Trockenfutter mit Zucker. Nicht selten. Immer die Zutatenliste prüfen auf die Tarn-Namen (siehe [Deklaration lesen lernen]).


Wenn Du ausschließlich Trockenfutter fütterst: Was Du tun kannst

Manchmal geht es nicht anders – sei es aus Akzeptanz-Gründen (die Katze frisst nach 10 Umstellungs-Versuchen weiterhin nur Trockenfutter) oder aus praktischen Gründen. In diesem Fall:

1. Mehrere Wasserstellen aufstellen. Mindestens 3 in der Wohnung, an verschiedenen Orten, nicht neben dem Futternapf.

2. Trinkbrunnen besorgen. Fließendes Wasser zieht Katzen oft mehr an als stehendes. Ein guter Trinkbrunnen mit Filter (Preis ab ca. 30–50 Euro) lohnt sich.

3. Wasser zum Futter geben. Kein Witz: Du kannst Trockenfutter vor dem Servieren kurz in Wasser einweichen. Nicht schön, aber eine erhebliche Flüssigkeits-Hilfe.

4. Regelmäßige Tierarzt-Checks. Wenn Deine Katze nur Trockenfutter frisst, sind jährliche Gesundheitschecks Pflicht – besonders Nierenwerte.

5. Hochwertiges Trockenfutter wählen. Wenn schon Trockenfutter, dann bitte von Herstellern mit offener Deklaration, hohem Fleischanteil (über 60 %), ohne Getreide und ohne Zucker. Diese Produkte gibt es – sie sind aber teurer als der Discount-Durchschnitt.


Die Empfehlung für verschiedene Katzen-Typen

Katzen-Typ Empfehlung
Gesunde erwachsene Katze 70–100 % Nassfutter
Kitten (bis 6 Monate) 100 % Nassfutter mit Kitten-Formel
Senior-Katze (ab 10 Jahren) 100 % Nassfutter
Übergewichtige Katze 100 % Nassfutter, portioniert
Diabetische Katze 100 % Nassfutter, kohlenhydratarm
Katze mit Nierenproblemen 100 % Nassfutter, Tierarzt-Empfehlung folgen
Ausschließliche Freigänger 100 % Nassfutter, da Freigänger zusätzlich jagen

Was Neo und Cookie bekommen

Für die Transparenz: Meine beiden bekommen überwiegend Nassfutter. Sie haben morgens und abends eine Hauptmahlzeit Nassfutter, und tagsüber stelle ich ihnen keine Trockenfutter-Portionen hin, sondern nur frisches Wasser. Beide sind gesund, haben glänzendes Fell und sind normalgewichtig.

Kleine Ausnahme: Wenn wir einen ganzen Tag außer Haus sind, bekommen sie als Notversorgung manchmal eine kleine Portion Trockenfutter dazu. Das ist aber die Ausnahme, nicht die Regel.


Fazit in einem Satz

Nassfutter sollte die Basis der Katzenernährung sein – wegen der Flüssigkeitszufuhr, dem höheren Fleischanteil und der besseren Sättigung. Trockenfutter ist keine Katastrophe, aber keine gute alleinige Lösung.

Wer sich von dem Dogmatismus des einen oder anderen Lagers befreit, kommt schnell zu dieser differenzierten Antwort.


Weiterführende Artikel

  • [Was Katzen wirklich fressen sollten] – die Ernährungsgrundlagen
  • [Futterumstellung von Trocken- auf Nassfutter] – wenn Du jetzt wechseln möchtest
  • [Deklaration lesen lernen] – für die richtige Auswahl
  • [Meine Testberichte] – konkrete Empfehlungen

Quellen

  • Zoran, D.L.: "The carnivore connection to nutrition in cats", Journal of the American Veterinary Medical Association, 2002
  • Tierschutzbund e.V.: "Die Haltung von Katzen", Kapitel Ernährung
  • ÖKO-TEST Magazin 3/2023: Interview mit Prof. Dr. Jürgen Zentek zur Katzenernährung
  • Buffington, C.A.T.: "Dry foods and risk of disease in cats", Canadian Veterinary Journal, 2008
  • FEDIAF Nutritional Guidelines (2024)

Artikel-Stand: April 2026. Dieser Artikel wird bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.