Testmethodik
So teste ich Katzenfutter
Wie ich bewerte, warum ich so bewerte, und wie Du meine Urteile einordnen kannst
Jede Testseite sollte offenlegen, wie sie zu ihren Urteilen kommt. Ich halte das für eine Grundvoraussetzung: Wenn ich Dir sage "dieses Futter ist gut", dann musst Du nachvollziehen können, wonach ich das beurteile.
Auf dieser Seite findest Du alles: Die acht Kategorien, nach denen ich bewerte. Das Punktesystem. Die Ampeln. Den zeitlichen Ablauf eines Tests. Und – genauso wichtig – die Grenzen meiner Methodik.
Lies das einmal. Danach wird jeder meiner Tests für Dich durchschaubar sein.
Die 8 Bewertungskategorien im Überblick
Jedes Futter bewerte ich in acht Kategorien auf einer Skala von 1 bis 10 Punkten. Dadurch kann ein Futter zwischen 8 und 80 Punkten erreichen. Diese Gesamtpunktzahl rechne ich in eine Note von A+ bis F um.
| # | Kategorie | Was wird bewertet? |
|---|---|---|
| 1 | Zusammensetzung & Fleischanteil | Was ist wirklich drin? Wie viel echtes Fleisch? |
| 2 | Deklarationsqualität | Ist die Zutatenliste offen oder verschleiernd? |
| 3 | Artgerechtigkeit | Entspricht das Futter den Bedürfnissen einer Katze? |
| 4 | Nährwertanalyse | Stimmen Eiweiß, Fett, Mineralstoffe, Feuchte? |
| 5 | Schadstoffe & Zusätze | Zucker, Aromen, Konservierungsstoffe? |
| 6 | Praxistest | Wie reagieren Neo und Cookie über 6 Wochen? |
| 7 | Nachhaltigkeit | Verpackung, Regionalität, Klimabilanz |
| 8 | Ethik & Transparenz | Woher kommt das Fleisch? Wie offen ist der Hersteller? |
Dazu gebe ich drei Ampeln pro Produkt aus:
- Gesundheits-Ampel (aus Kategorien 1–6)
- Nachhaltigkeits-Ampel (aus Kategorie 7)
- Ethik-Ampel (aus Kategorie 8)
Warum diese Ampeln zusätzlich zur Gesamtnote? Weil Menschen unterschiedliche Prioritäten haben. Vielleicht ist Dir Gesundheit am wichtigsten und Du akzeptierst eine schwächere Ethik-Bewertung, wenn dafür der Preis stimmt. Vielleicht ist es umgekehrt. Die Ampeln helfen Dir, nach Deinen eigenen Werten zu filtern.
Im Detail – die 8 Kategorien erklärt
1. Zusammensetzung & Fleischanteil (1–10 Punkte)
Worum es geht: Wie viel echtes, hochwertiges Fleisch enthält das Futter? Welche Teile werden verwendet?
Was ich prüfe:
- Steht Fleisch an erster Stelle der Zutatenliste?
- Ist der Gesamt-Fleischanteil deklariert und wie hoch ist er?
- Wird klar zwischen Muskelfleisch und Innereien unterschieden?
- Welche Tierart wird verwendet? (Spezifisch: "Huhn 70 %" oder vage: "Geflügel")
Meine Bewertung:
- 10 Punkte: Fleischanteil über 95 %, offen aufgeschlüsselt nach Muskelfleisch und Innereien, mit klarer Tierart. Beispiel: "Huhn 64 %, Hühnerherzen 15 %, Hühnerleber 10 %"
- 7 Punkte: Fleischanteil 70–90 %, klar deklariert, aber weniger detailliert
- 4 Punkte: Fleischanteil 40–70 %, mit größerem Anteil "tierische Nebenerzeugnisse" ohne Spezifizierung
- 1 Punkt: Fleischanteil unter 40 %, dominiert von pflanzlichen Bestandteilen oder "tierischen Nebenerzeugnissen" ohne Angabe
Warum wichtig: Katzen sind reine Fleischfresser. Ihr Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, hohe Anteile tierischen Eiweißes zu verwerten. Pflanzliche Bestandteile und undefinierte Nebenerzeugnisse sind oft Füllstoffe ohne echten Nährwert für sie.
2. Deklarationsqualität (1–10 Punkte)
Worum es geht: Wie ehrlich kommuniziert der Hersteller, was in der Dose ist?
Was ich prüfe:
- Offene Deklaration (alle Zutaten einzeln mit Prozentangaben) vs. geschlossene Deklaration (Sammelbegriffe wie "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse")
- Werden Prozentsätze bei den wichtigen Zutaten angegeben?
- Wird vage gearbeitet ("Geflügel") oder präzise ("Huhn, Pute")?
- Gibt es Pflichtangaben, die fehlen?
Meine Bewertung:
- 10 Punkte: Vollständig offene Deklaration mit exakten Prozentangaben für jede Zutat
- 7 Punkte: Offene Deklaration mit einigen Sammelbegriffen, aber klaren Anteilen
- 4 Punkte: Geschlossene Deklaration mit leichten Andeutungen
- 1 Punkt: Reine Gruppendeklaration ("Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse") ohne Details
Warum wichtig: Eine geschlossene Deklaration bedeutet in der Praxis, dass der Hersteller die Zusammensetzung je nach Charge variieren kann. Du weißt nie genau, was Deine Katze bekommt. Das macht es unmöglich, Allergien oder Unverträglichkeiten systematisch zu managen.
3. Artgerechtigkeit (1–10 Punkte)
Worum es geht: Wie nah ist das Futter an dem, was eine Katze in freier Natur fressen würde?
Mein Maßstab ist die Maus. Eine Maus besteht zu rund 65 % aus Wasser, zu 50–60 % (im Trockenanteil) aus tierischem Protein, zu 20–30 % aus Fett, enthält Innereien, Knochen und nur einen minimalen pflanzlichen Anteil aus dem Mageninhalt.
Was ich prüfe:
- Feuchtigkeitsgehalt (sollte über 70 % liegen für Nassfutter)
- Verhältnis von Muskelfleisch zu Innereien (Innereien sollten vorhanden sein, aber nicht dominieren)
- Pflanzlicher Anteil (möglichst unter 5 %)
- Zusatz von Taurin (wichtig, da Katzen es nicht selbst bilden können)
- Getreide- und Zuckerfreiheit
Meine Bewertung:
- 10 Punkte: Kommt der "Maus-Formel" sehr nah, optimal abgestimmt
- 7 Punkte: Artgerechte Grundzusammensetzung mit kleinen Abweichungen
- 4 Punkte: Akzeptabel, aber mit deutlichen Abweichungen (z.B. höherer pflanzlicher Anteil)
- 1 Punkt: Für Katzen ernährungsphysiologisch problematisch
4. Nährwertanalyse (1–10 Punkte)
Worum es geht: Stimmen die analytischen Bestandteile mit dem überein, was Katzen brauchen?
Was ich prüfe:
- Rohprotein (ideal: 10–12 % in der Originalsubstanz bei Nassfutter)
- Rohfett (ideal: 5–8 %)
- Kohlenhydrate (NfE, berechnet – ideal unter 3 % in der Originalsubstanz)
- Rohasche (ideal 1,5–2,5 %)
- Calcium-Phosphor-Verhältnis (ideal 1,1:1 bis 1,3:1)
Die Phosphor-Bewertung ist mir besonders wichtig. Zu hoher Phosphor ist ein Risikofaktor für Nierenschäden – ein Punkt, den auch ÖKO-TEST 2023 ausdrücklich kritisiert hat.
Meine Bewertung:
- 10 Punkte: Alle Werte im optimalen Bereich
- 7 Punkte: Leichte Abweichungen, noch unproblematisch
- 4 Punkte: Einzelne Werte deutlich außerhalb des Ideals
- 1 Punkt: Mehrere Werte kritisch, potenziell gesundheitsgefährdend
5. Schadstoffe & Zusätze (1–10 Punkte)
Worum es geht: Enthält das Futter unnötige oder problematische Zusätze?
Was ich prüfe:
- Zucker in jeder Form (auch versteckt als Karamell, Inulin, Apfelextrakt, Rübenmelasse)
- Künstliche Aromen, Farbstoffe, Konservierungsstoffe
- Geschmacksverstärker
- Getreide (Weizen, Mais, Reis, Soja)
- Pflanzliche Nebenerzeugnisse und Proteinextrakte
Meine Bewertung:
- 10 Punkte: Keinerlei problematische Zusätze, saubere Rezeptur
- 7 Punkte: Kleinere Abweichungen (z.B. minimaler Getreideanteil bei ansonsten sauberer Rezeptur)
- 4 Punkte: Einzelne problematische Bestandteile (Zucker oder Getreide)
- 1 Punkt: Mehrere problematische Zusätze, künstliche Aromen und Zucker
Wichtige Anmerkung: Zucker wird oft unter Tarnnamen deklariert. Wenn "Apfelextrakt", "Karamell", "Rübenmelasse" oder "Inulin" auf der Zutatenliste steht – das ist Zucker. Ich rechne das in meinen Bewertungen konsequent mit.
6. Praxistest (1–10 Punkte)
Worum es geht: Wie reagieren Neo und Cookie auf das Futter, und zwar über 6 Wochen?
Was ich beobachte:
Akzeptanz (Wochen 1–2):
- Nehmen beide Katzen das Futter an?
- Wie ist die Fressgeschwindigkeit?
- Gibt es Futterreste im Napf?
Verträglichkeit (Wochen 2–4):
- Stuhlkonsistenz und -häufigkeit
- Anzeichen von Blähungen oder Verdauungsproblemen
- Erbrechen oder Würgen
Langzeit-Effekte (Wochen 4–6):
- Wie entwickelt sich die Fellqualität?
- Bleibt die Fresslust stabil?
- Wie ist die Gewichtsentwicklung?
- Energielevel und allgemeines Wohlbefinden
Meine Bewertung:
- 10 Punkte: Hohe Akzeptanz, gute Verträglichkeit, sichtbare Verbesserungen bei Fell oder Vitalität
- 7 Punkte: Wird gut gefressen, keine Probleme, keine besonderen Verbesserungen
- 4 Punkte: Durchschnittliche Akzeptanz, kleine Verdauungsauffälligkeiten möglich
- 1 Punkt: Abgelehnt oder gesundheitliche Auffälligkeiten
Ganz wichtig: Der Praxistest mit zwei Katzen liefert ein Signal, keine statistische Wahrheit. Jede Katze ist anders. Wenn Neo und Cookie ein Futter lieben, heißt das nicht automatisch, dass Deine Katze es mag – und umgekehrt. Deshalb ist der Praxistest eine von acht Kategorien und nicht die alleinige Grundlage.
7. Nachhaltigkeit (1–10 Punkte)
Worum es geht: Welchen ökologischen Fußabdruck hat das Produkt?
Dies ist die Kategorie, in der sich Katzenfutter.net von anderen Review-Seiten unterscheidet. Ich halte Nachhaltigkeit für genauso wichtig wie Gesundheit – denn was nützt das beste Futter, wenn es den Planeten, auf dem unsere Katzen leben sollen, schädigt?
Was ich prüfe (Sub-Scoring 0–10 Punkte):
| Unterkategorie | Max. Punkte | Bewertung |
|---|---|---|
| Verpackungs-Ökobilanz | 3 | Pfandglas > Weißblech > Pouch > Einwegglas > Aluschale |
| Regionalität der Zutaten | 2 | Regional DE/AT/CH > EU > International |
| Produktionsstandort | 2 | Deutschland / Europa > außereuropäisch |
| Herstellungsprozess | 1 | Schonende Kaltabfüllung > Extrusion |
| CO₂- und Transparenz-Maßnahmen | 1 | Eigene Klimabilanz, Kompensation? |
| Zutaten-Ethik | 1 | Bio, Freilandhaltung, human-grade vs. anonyme Quellen |
Warum Pfandglas nicht automatisch gewinnt: Einweg-Glas hat in der Ökobilanz oft schlechter abgeschnitten als eine Weißblech-Dose. Erst Pfand-Mehrweg-Glas macht den Unterschied. Ich prüfe also genau, um welches System es sich handelt.
Mehr zur Verpackungs-Ökobilanz im dedizierten Ratgeber: [Link zum Pillar-Artikel]
8. Ethik & Transparenz (1–10 Punkte)
Worum es geht: Wie verantwortungsvoll agiert der Hersteller insgesamt?
Was ich prüfe:
- Woher kommt das Fleisch? (Lieferkette transparent?)
- Tierwohl-Standards der verwendeten Rohstoffe
- Rückrufhistorie des Herstellers
- Umgang mit Beschwerden und Kundenfeedback
- Eigentümerstruktur (unabhängiger Mittelstand vs. globaler Konzern)
- Tierversuche in der Entwicklung (ja/nein, Art der Versuche)
Meine Bewertung:
- 10 Punkte: Vollständig transparente Lieferkette, hohe Tierwohl-Standards, keine Rückrufe, offen über alle Aspekte
- 7 Punkte: Gute Transparenz bei den meisten Aspekten, wenige offene Fragen
- 4 Punkte: Durchschnittliche Transparenz, wenig Info zur Lieferkette
- 1 Punkt: Intransparent, problematische Rückrufhistorie, fragwürdige Praktiken
Das Punktesystem und die Noten
| Punkte | Note | Empfehlung |
|---|---|---|
| 74–80 | A+ | Herausragend – Top-Empfehlung |
| 66–73 | A | Sehr gut – uneingeschränkt empfehlenswert |
| 55–65 | B | Gut – mit kleineren Einschränkungen |
| 42–54 | C | Befriedigend – bedingt empfehlenswert |
| 30–41 | D | Mangelhaft – nicht zu empfehlen |
| <30 | F | Durchgefallen – kommt gar nicht erst in den Praxistest |
Wie ein Test abläuft – der zeitliche Rahmen
Phase 1: Vorab-Prüfung (1–2 Tage)
Bevor ein Futter überhaupt in den Napf kommt, läuft die schriftliche Analyse:
- Ich beschaffe das Futter (meist kaufe ich es selbst)
- Ich fotografiere die Verpackung von allen Seiten
- Ich notiere die komplette Deklaration
- Ich prüfe die Nährwertanalyse
- Ich recherchiere zum Hersteller (Herkunft, Produktionsstandort, Rückrufe)
Wenn die Marke bei den Kategorien 1–5 (Zusammensetzung, Deklaration, Artgerechtigkeit, Nährwerte, Schadstoffe) schon durchfällt, mache ich keinen Praxistest. Ich würde Neo und Cookie nicht wochenlang schlechtes Futter füttern, nur um einen Testbericht zu haben.
Phase 2: Der 6-Wochen-Test (42 Tage)
Nur wenn das Futter die Vorab-Prüfung besteht, geht es in den Napf:
Woche 1: Schrittweise Umstellung vom bisherigen Futter auf das Testfutter.
Woche 2–3: Reiner Testzeitraum. Tägliche Beobachtung von Akzeptanz und Verdauung.
Woche 4–5: Langzeit-Beobachtung. Fellqualität, Gewicht, Energie.
Woche 6: Abschließende Auswertung und Verfassen des Testberichts.
Phase 3: Die Veröffentlichung
- Alle Bewertungen mit Fotos dokumentiert
- Transparente Offenlegung, wenn das Futter als Mustersendung oder vergünstigt erhalten wurde (die meisten Futter kaufe ich selbst)
- Klare Kennzeichnung von Affiliate-Links
Was mein System nicht kann
Ich möchte bei aller methodischer Systematik ehrlich sein über das, was ich nicht leiste:
Keine Laboranalyse. Ich kann keine chemischen Tests auf Schwermetalle, Mikroorganismen oder tatsächliche Nährwerte durchführen. Dafür sind Stiftung Warentest und ÖKO-TEST die passenden Anlaufstellen. Ich arbeite mit den Herstellerangaben und vergleiche sie mit den wissenschaftlichen Standards (FEDIAF-Richtlinien).
Keine Statistik. Zwei Testkatzen sind eine Stichprobe, keine repräsentative Studie. Meine Praxistest-Ergebnisse sind Indikatoren, keine Beweise.
Keine medizinische Beratung. Wenn Deine Katze krank ist oder spezielle Bedürfnisse hat, ist Dein Tierarzt der richtige Ansprechpartner. Ich gebe Dir Orientierung zur Futterauswahl, nicht zur Diagnose.
Keine Vollständigkeit. Ich teste nicht jede Marke am Markt. Wenn Du ein Produkt vermisst, schreibe mir gerne – ich nehme Vorschläge in meine Liste auf, soweit sie meine Mindestanforderungen erfüllen.
Meine Unabhängigkeit – wie sie funktioniert
Ich kaufe meine Testprodukte überwiegend selbst. Wenn ich Ausnahmen mache (weil ein Hersteller mir ein Produkt zum Testen schickt), deklariere ich das im Testbericht klar.
Ich nehme keine Zahlungen für bessere Bewertungen. Einige Hersteller haben mir das angeboten – ich lehne das konsequent ab. Wenn ich eine Marke gut bewerte, liegt das an der Produktqualität.
Ich verdiene an manchen Empfehlungen mit Affiliate-Links. Diese sind immer gekennzeichnet. Die Kommission, die ich erhalte, ändert nichts an meiner Bewertung – ein schlechtes Futter bleibt ein schlechtes Futter, auch wenn der Hersteller hohe Kommissionen zahlt.
Ich schreibe auch negative Bewertungen. Wenn eine Marke in meinem Test durchfällt, sage ich das. Dafür riskiere ich zwar die Beziehung zu dem Hersteller – aber meine Glaubwürdigkeit bei Dir ist mir wichtiger.
Deine Fragen zur Methodik
Wenn Du Fragen zu einem konkreten Test oder zur Methodik hast, schreib mir gerne. Ich antworte auf jede E-Mail persönlich – manchmal dauert es ein paar Tage, aber es kommt eine Antwort. Versprochen.
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