Stiftung Warentest vs. ÖKO-TEST beim Katzenfutter


Stiftung Warentest vs. ÖKO-TEST beim Katzenfutter: Was die großen Tests wirklich aussagen

Zwei der bekanntesten Testinstitute Deutschlands haben beide Katzenfutter unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse? Unterschiedlich. Die Methoden? Sehr unterschiedlich. Und die Empfehlungen? Sollten wir ihnen blind vertrauen?

Die kurze Antwort: Nein – aber beide haben ihre Verdienste.

In diesem Artikel schauen wir uns an, was Stiftung Warentest und ÖKO-TEST beim Katzenfutter tatsächlich geprüft haben, wo ihre Methodik überzeugt und wo sie an Grenzen stößt. Am Ende weißt Du, wie Du mit den Testergebnissen sinnvoll umgehst – und warum beide Tests Dich nicht von eigener Nachforschung entbinden.


Der Stiftung-Warentest-Katzenfutter-Test (April 2020)

Stiftung Warentest hat im April 2020 dreißig Nassfuttersorten getestet, die alle als Alleinfuttermittel deklariert sind. Das Ziel: eine Übersicht über die Massenmarkt-Produkte zu geben.

Was Stiftung Warentest gut gemacht hat

Die Auswahl war breit im Bereich Supermarkt und Discounter. Getestet wurden Produkte, die viele Menschen beim Wocheneinkauf einfach ins Körbchen legen: K-Classic von Kaufland, Gut & Günstig von Edeka, Winston von Rossmann, aber auch bekannte Markenprodukte wie Kitekat, Whiskas und Sheba. Das ist eine sinnvolle Fokussierung, denn genau diese Produkte erreichen in der Praxis die meisten Katzen.

Der Zuckergehalt wurde konsequent geprüft. Bei fast allen Sorten lag er unter 2 Gramm pro 100 Gramm Futter – das ist erfreulich. Zucker hat in Katzenfutter nichts zu suchen.

Schadstoffe wurden untersucht. Das Labor prüfte auf bedenkliche Rückstände und fand keine auffälligen Werte.

Die Nährstoffbilanz wurde überprüft. Bei 25 von 30 Sorten war die rechnerische Nährstoffversorgung in Ordnung.

Wo Stiftung Warentest enttäuscht

Jetzt wird es kritisch. Denn so klar die Methodik nach außen wirkt – drei Dinge haben mich an dem Test gestört.

Erstens: Die 4-Prozent-Regel wird nicht ernsthaft hinterfragt.

Bei einem Futter, auf dem "mit Huhn" steht, müssen laut EU-Recht nur vier Prozent Huhn enthalten sein. Vier Prozent. In den meisten getesteten Sorten wurde das auch nachgewiesen – aber Stiftung Warentest bewertet das als erfüllt, nicht als kritisch. Die dominanten Fleischsorten in den Produkten waren Schwein, Rind und Pute, nicht das auf der Verpackung abgebildete Tier. Für mich ist das ein erheblicher Irreführungs-Spielraum, den der Test nicht ausreichend würdigt.

Zweitens: Die Qualität der Rohstoffe wurde nicht geprüft, nur die Nährstoffbilanz.

Vitamine und Mineralstoffe werden bei industriell gefertigten Futtern oft als Pulver zugesetzt. Das heißt: Auch ein Futter mit minderwertigen Grundzutaten kann die Nährstoffbilanz erfüllen, wenn am Ende genug Vitamin-Pulver obendrauf kommt. Die rechnerisch korrekte Bilanz sagt also nichts darüber aus, ob das Futter tatsächlich aus hochwertigen Ausgangsstoffen besteht.

Um im Bild zu bleiben: Ich könnte mich theoretisch von Fast Food ernähren und fehlende Vitamine in Tablettenform schlucken. Ernährungsphysiologisch wäre ich damit "versorgt" – aber hochwertig ernährt wäre ich nicht.

Drittens: Die Gruppendeklaration wird toleriert.

Von den 30 getesteten Sorten nutzten alle bis auf drei die geschlossene Deklaration – also die Sammelbezeichnung "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ohne Aufschlüsselung, um welche Tierart und welche Teile es sich handelt. Das ist legal, aber intransparent. Für mich ist Transparenz ein Qualitätsmerkmal – und wer sie nicht bietet, sollte dafür Abwertungen erhalten, nicht nur eine Erwähnung.

Die Testsieger laut Stiftung Warentest

Die Testsieger waren allesamt Handelsmarken aus Discountern und Supermärkten:

  • Kaufland K-Classic Zarte Häppchen in Gelee mit Geflügel und Herz
  • Edeka Gut & Günstig Hello my cat Schlemmerhappen mit Huhn
  • Rossmann Winston Schlemmer-Menü mit Wild
  • Kitekat mit Huhn in Gelee (bestes Markenprodukt)

Alle vier Sieger teilen sich eine Eigenschaft: Geschlossene Deklaration. Du weißt nicht genau, was drin ist. Du weißt nur, dass das, was drin ist, die Nährstoffbilanz erfüllt.


Der ÖKO-TEST (Heft 3/2023) – die andere Perspektive

Rund drei Jahre später hat ÖKO-TEST das Thema neu aufgegriffen – mit einer deutlich anspruchsvolleren Methodik. Getestet wurden 21 Feuchtfuttersorten (6 davon Bio-Produkte, 15 konventionelle).

Was ÖKO-TEST besser macht

Ein ernährungsphysiologisches Gutachten.

ÖKO-TEST hat nicht nur Laborwerte gemessen, sondern sie von Experten an einem Universitätsinstitut für Tierernährung bewerten lassen. Das ist ein wichtiger methodischer Sprung: Statt nur zu fragen "ist die Nährstoffbilanz erfüllt?", wird gefragt "passen die Werte zu den Bedürfnissen einer Katze?".

Bio-Futter werden berücksichtigt.

Die Einbeziehung von sechs Bio-Produkten öffnet den Blick über den Supermarkt-Mainstream hinaus. Das günstigste "sehr gut" bewertete Bio-Futter kostete laut Test rund 1,50 Euro pro Tag und damit weniger als manches konventionelle Produkt.

Kritische Prüfung einzelner Mineralstoffe und Vitamine.

ÖKO-TEST legt strengere Maßstäbe an einzelne Werte an. Zum Beispiel beim Vitamin A: Die FEDIAF-Richtlinien (der europäische Standard für Tierfutter) geben einen Minimalwert von 265 Internationalen Einheiten pro Megajoule Energie an. Die ÖKO-TEST-Gutachter kritisieren aber Produkte, die über dem 50-fachen dieses Werts liegen – ein Risiko, das unter dem offiziellen Maximum bleibt, aber aus ihrer Sicht dennoch langfristig schädlich sein kann.

Das Phosphor-Thema wird ernst genommen.

In elf der 21 getesteten Produkte fanden sich erhöhte Phosphor-Werte. Dauerhaft zu hoher Phosphor gilt als Risikofaktor für Nierenschäden. Das ist ein wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärtes, aber klinisch zunehmend diskutiertes Thema. ÖKO-TEST hat dafür einen eigenen Abwertungspunkt eingeführt – und genau hier fallen mehrere namhafte Marken wie Sheba und Purina negativ auf.

Wo auch ÖKO-TEST an Grenzen stößt

Alle Tests haben Grenzen, auch dieser:

Auch ÖKO-TEST testet nur Laborwerte.

Die Akzeptanz durch die Katzen wird nicht geprüft. Ein Futter kann alle Nährwerte erfüllen und trotzdem von einer Katze verweigert werden. Umgekehrt kann ein mittelmäßiges Futter von einer bestimmten Katze geliebt werden.

Die Verpackung wird kaum bewertet.

Nachhaltigkeit bleibt ein blinder Fleck. Zwar wurden Kunststoffverpackungen auf Rezyklat-Anteile geprüft, aber ökologische Gesamtbetrachtungen (Glas vs. Weißblech vs. Pouch vs. Tetrapak) fehlen.

Die Tierwohl-Dimension kommt zu kurz.

Was in der Dose landet, kommt meist aus Schlachthöfen. Die Haltungsbedingungen der Tiere, von denen das Katzenfutter stammt, sind kein Prüfkriterium – außer über das Bio-Siegel.

Die ÖKO-TEST-Testsieger

Die drei mit "sehr gut" bewerteten Produkte waren:

  • Defu Bio Katzenfutter Pâté Lamm "Sensitive" (höchste Qualität, aber auch Preisspitze)
  • Wildes Land Adult Bio Ente & Pute (ebenfalls Bio)
  • Zoo Royal Bio Pastete reich an Rind mit Leber (das preiswerteste "sehr gut")

Auch drei konventionelle Produkte erhielten ein "sehr gut": Activa Classic Adult Pastete mit Kalb, Felix So gut wie es aussieht mit Huhn in Gelee und Whiskas mit Lamm in Gelee 1+.

Beachtenswert: Felix und Whiskas hatten bei ÖKO-TEST deutlich bessere Bewertungen als einige der teureren "Premium"-Marken. Das ist die zentrale Erkenntnis beider Tests: Preis und Qualität korrelieren nicht zuverlässig.


Der direkte Vergleich: Wo unterscheiden sich die Tests?

Kriterium Stiftung Warentest 2020 ÖKO-TEST 2023
Anzahl Produkte 30 Nassfutter 21 Nassfutter
Bio-Produkte berücksichtigt Ja, aber nur wenige Ja, 6 Produkte explizit
Ernährungsphysiologisches Gutachten Nein, nur Bilanzen Ja, durch Universitätsexperten
Phosphor-Kritik Keine Zentral, in 11 Produkten bemängelt
Vitamin-A-Kritik Keine In 2 Produkten bemängelt
Deklarations-Kritik Erwähnt, aber nicht abgestraft Teil der Bewertung
Akzeptanz-Test mit echten Katzen Nein Nein
Verpackung/Ökologie Nicht bewertet Rezyklat-Anteil teilweise

Die wichtigste gemeinsame Erkenntnis

Wenn ich beide Tests zusammennehme, fällt eine Lektion besonders auf: Der Preis lässt nicht auf die Qualität schließen.

Stiftung Warentest-Testsieger waren billige Handelsmarken. ÖKO-TEST-Testsieger waren teilweise Bio-Produkte, teilweise aber auch günstige Mainstream-Marken wie Felix oder Whiskas. Dagegen fielen vergleichsweise teure Premium-Marken bei ÖKO-TEST für überhöhte Mineralstoffgehalte durch.

Das bestätigt, was ich auch bei meinen eigenen Tests immer wieder sehe: Teurer ist nicht automatisch besser. Und "Premium" ist oft nur ein Marketingbegriff.


Was beide Tests nicht leisten

So wichtig diese Tests sind – sie ersetzen keine umfassende Bewertung. Aus meiner Sicht fehlen in beiden Tests vier zentrale Dimensionen:

1. Der Praxistest über längere Zeit

Wie reagieren echte Katzen auf das Futter? Wie ist die Verträglichkeit über Wochen? Ein einmaliger Labortest zeigt nicht, ob Deine Katze das Futter annimmt oder nach drei Wochen die Nase rümpft.

2. Die Nachhaltigkeits-Perspektive

Verpackungs-Ökobilanz, Regionalität, Klimabilanz des Herstellers – all das bleibt außen vor. Für jemanden, dem Umweltschutz wichtig ist, sind die Testergebnisse damit unvollständig.

3. Die Ethik-Perspektive

Woher kommt das Fleisch? Wie transparent ist die Lieferkette? Gibt es Rückrufe in der Vergangenheit? Diese Fragen stellen die Tests nicht.

4. Die Langzeit-Wirkung auf die Katzengesundheit

Beide Tests messen Momentaufnahmen. Ob ein Futter langfristig zur Gesunderhaltung einer Katze beiträgt, zeigt sich erst nach Monaten oder Jahren.


Wie ich es anders mache

Genau diese vier Lücken sind der Grund, warum es Katzenfutter.net gibt. Ich habe aus beiden Tests gelernt und eine eigene Methodik entwickelt, die über Laboranalysen hinausgeht:

Meine acht Bewertungskategorien decken Zusammensetzung, Deklaration, Artgerechtigkeit, Nährwerte, Schadstoffe, Praxistest (6 Wochen mit Neo und Cookie), Nachhaltigkeit und Ethik ab. Das ergibt ein vollständigeres Bild als jeder einzelne Lagertest.

Details dazu findest Du auf meiner [Testmethodik-Seite].


Was Du aus den großen Tests mitnehmen kannst

Zum Abschluss die praktischen Lehren:

Nutze die Tests als Ausschluss-Liste, nicht als Empfehlung. Wenn ein Futter bei Stiftung Warentest oder ÖKO-TEST durchfällt, ist das ein guter Grund, es zu meiden. Wenn es gut bewertet wurde, ist das aber nur ein Anfangs-Indikator – noch keine abschließende Empfehlung.

Gib nicht mehr Geld aus als nötig. Beide Tests zeigen: Teuer ist nicht automatisch besser. Ein K-Classic für 50 Cent pro Tag kann ernährungsphysiologisch auf Augenhöhe mit einem "Premium"-Futter für 2 Euro sein.

Prüfe die Deklaration immer selbst. Geschlossene Deklarationen ("Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse") sind ein starkes Warnsignal, auch wenn die großen Tests sie nicht konsequent abstrafen.

Schau über den Tellerrand. Die Tests decken nur einen Ausschnitt des Markts ab. Manufakturen, Bio-Pioniere, regionale Produzenten – viele hervorragende Futter tauchen in keinem der Massen-Tests auf.


Weiterführende Artikel

  • [Was Katzen wirklich fressen sollten] – die Grundlagen der artgerechten Ernährung
  • [Deklaration lesen lernen] – wie Du jede Zutatenliste entschlüsselst
  • [Unsere Testmethodik] – wie ich Katzenfutter bewerte
  • [Die getesteten Marken im Überblick] – meine eigenen Tests

Quellen

  • Stiftung Warentest: "Katzenfutter – Was Mieze gut tut und was nicht", Heft 4/2020. Link zum Original
  • ÖKO-TEST Magazin 3/2023, Themenschwerpunkt Katzenfutter: "Alles für die Katz". Link zum Original
  • FEDIAF Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs (Ausgabe 2024). Link
  • Prof. Dr. Jürgen Zentek, Freie Universität Berlin, Institut für Tierernährung – zitiert im ÖKO-TEST-Beitrag 3/2023

Artikel-Stand: April 2026. Dieser Artikel wird bei neuen Tests der Institute aktualisiert – zuletzt beim Erscheinen des Stiftung-Warentest-Nachfolgetests 2024.